Oops, er hat es schon wieder gemacht!

Von Dirk C. Fleck.

Die Amtseinführung Donald Trumps habe ich mir auf RT live angeschaut, wo die Bilder und Personen noch für sich sprachen und ohne störenden Kommentar konsumiert werden konnten. Die Veranstaltung ging schleppend los, irgendwie wirkte alles wie gehabt. Eine lange und langweilige Zeremonie, die sich alle vier Jahre in gleicher Weise wiederholt. Eine patriotische Nabelschau mit Ex-Präsidenten, Senatoren und anderen wichtigen Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik. Wie aalglatt diese verlogene Bande auf der Bühne vor dem Capitol in den Küsschen-Küsschen-Modus wechselte, war amüsant zu beobachten, obwohl ihr Umgang im Alltag mit intrigant und heimtückisch vermutlich noch milde umschrieben ist. Die Clintons und die Trumps – eine Augenweide. Nur mal als Beispiel.
Am meisten fasziniert hat mich jedoch der jüngste Donald-Sproß, der zehnjährige Barron William Trump. Er stand inmitten dieser Washingtoner Wichtigtuer und konnte seinen Missmut über diese falschen Hasen, deren gefrorenes Lächeln auf der Tribüne hin- und her zu gleiten schien, nicht verbergen. Er versuchte es nicht einmal. Zwar strich ihm seine Mutter mehrmals über die Wangen (The whole world is watching us), sie rückte auch seinen Schlips zurecht (wenn zehnjährige Jungs etwas nicht mögen, dann dies), um ihm schließlich einige zärtliche Worte ins Ohr zu flüstern. Geholfen hatte es nicht. Barron William blickte nur noch düsterer drein. Dabei wurde er seinem Vater, der gleich wenige Meter weiter links seinen Amtseid ablegen sollte, immer ähnlicher.
Bis dahin waren es noch ein paar Minuten. Ich schaltete kurz aufs Erste, mal sehen, was die so zeigten. Das gleiche Bild. Und wie befürchtet waren im rechten oberen Viertel eine Frau und ein Mann hinter den obligaten aufgeklappten Laptops zu sehen. „Donald Trump sehen wir da,“ sagte die Frau, „er hört zu.“ Tat er auch. Irgendeinem Chor aus Missouri. Soviel Information und Sachverstand ertrug ich einfach nicht, also schaltete ich wieder um zu RT. Der Chor hörte irgendwann auf. Barack Obama saß in den letzten Sekunden seiner Präsidentschaft ergriffen und mit geschlossenen Augen auf seinem Stuhl. Unterdessen legte der Vizepräsident den Amtseid ab. Pence, richtig? Pence: blauer Schlips. Trump: roter Schlips. Jetzt war Donald dran. “I, Donald John Trump, do solemnly swear that I will faithfully execute the Office of President of the United States, and will to the best of my ability, preserve, protect and defend the Constitution of the United States. So help me God.”
Gott hatte schon vorher eine Rolle gespielt, als ein Vorredner unter starkem Beifall dem Höchsten dafür dankte, den Amerikanern diese prächtige Nation zum Geschenk gemacht zu haben. Krass. Aber Gott ist den weißen Amerikanern gnädig, der sieht über so eine so kleine Geschichtsklitterung locker hinweg. Jetzt aber. Jetzt war der Präsident dran. Was ich die nächsten zehn Minuten zu hören bekam, sorgte in mir für höchstes Entzücken. Der Kerl las dem Washingtoner Establishment, das ja versammelt hinter ihm saß, so unverfroren die Leviten, dass es manchem dieser Gangster und Schleimscheißer schwer fiel, die Fasson zu wahren. Donald erklärte den Herrschaften, die sich nur um sich und ihre Pfründe kümmern, während ihnen das Volk am Allerwertesten vorbeigeht, unverblümt den Krieg, in dem er nämlich erklärte, dass die Poilitik ab sofort nicht länger den Eliten, sondern dem Volk dienen werde. Seine Äußerungen übertrafen ähnliche Aussagen, die er im Wahlkampf getätigt hatte, um ein vielfaches an Deutlichkeit. Donald Trump war keine drei Minuten im Amt, da wusste man in Washington endgültig bescheid: DIESER MANN IST JA WIRKLICH GEFÄHRLICH!
Plötzlich wich meine klammheimliche Freude einer tiefen Besorgnis. Ich blickte auf den 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, der sich in seiner Antrittsrede nicht genug an der selbstgefälligen Washingtoner Politikkaste abarbeiten konnte, wie auf einen Todeskandidaten. Was, so dachte ich, war nur in Trump gefahren? Oder besser: was erlauben Trump? Am liebsten hätte ich ihm zugerufen: „Don`t you know, Donald? This is America!“ Aber auf mich hätte er sicher auch nicht gehört …

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

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