Russische Manipulation der US-Wahlen? Erneuter Schlag ins Wasser

von Rainer Rupp.

Am Donnerstag letzter Woche zeigte sich US-Senator Warner, der Vorsitzende des Nachrichtendienstlichen Unterausschusses des US-Senats zur Untersuchung der russischen Unterwanderung der amerikanischen Demokratie, zutiefst enttäuscht. US-Medienberichten zufolge hatte der für Öffentlichkeitsarbeit zuständige Twitter-Vizepräsident, Colin Crowell, sich bereits am Morgen desselben Tages mit den Mitarbeitern der Geheimdienstausschüsse des Senats und des Abgeordnetenhauses getroffen. Dabei präsentiere er die Ergebnisse einer internen Untersuchung im Twitter-Unternehmen, in welchem Ausmaß die hinterhältigen russischen Agenten das so genannte „soziale Medium“ zur Versendung von Kurznachrichten zur Wahlmanipulation ausgenutzt haben, um die Kandidatur Hillary Clintons zu untergraben und den Verlauf der amerikanischen Geschichte zu ändern. Letzteres wir nicht im Konjunktiv berichtet, denn für die US-Medien gilt das offensichtlich bereits als unerschütterlicher Fakt. Schließlich weiß jeder, dass es die perfiden Russen waren.

Unglücklicherweise kam bei Twitter aber nicht mehr heraus, als vor ein paar Wochen bei Facebook. Auch da hatte man keine Spur von dem „rauchenden Colt“ gefunden, der den unwiderlegbaren Beweis für die Wahlmanipulation durch Putins Agenten geliefert hätte. Wie bei Facebook kam auch bei Twitter eher das Gegenteil heraus. Es gab nicht einmal Indizien für mögliche Versuche von russischen Wahlmanipulationen.

Auch nach über einem Jahr hat die fieberhafte Suche, die immer noch mit kolossaler Zeit- und Geldverschwendung betrieben wird, absolut nichts gebracht. Und wenn man sich die Presseerklärung von Twitter über die Ergebnisse ihrer Russen-Suche anschaut, dann versteht man, warum Senator Warner so „tief enttäuscht“ war. Laut Twitter haben die internen Nachforschungen Monate lang gedauert. Aber gebracht haben sie nichts. Lediglich 201 registrierte Nutzer mit „potentiellem Bezug zu Russland“ wurden entdeckt. Zum Vergleich: allein in den USA hat Twitter 68 Millionen registrierte Nutzer. Viele dieser Nutzer mit „Russen Bezug“ verschickten lediglich kommerziellen Spam.

Ein weiterer Umstand, der sicherlich Senator Warners Frustration noch gesteigert hat, war der Umstand, dass kein einziger dieser 201 registrierten Nutzer ein Twitter-Konto hatte, das für Massenwerbung oder Öffentlichkeitsarbeit freigeschaltet war.

Da Twitter keine weiteren nützlichen Angaben für die fanatisierten Russenjäger im Kongress liefern konnte, versuchte das Unternehmen die Senatoren mit Angaben über Russia Today, den Erzfeind der US-Medien und Politiker, aufzumuntern. Aber auch dies gelang nicht, denn was dabei herauskam, war einfach zu banal.

Laut Twitter hat das Unternehmen im Jahr 2016 die Summe von 274 Tausend Dollar in Werbeeinnahmen von “Russia Today“ erhalten. Das war die Bezahlung für Kurzanzeigen, mit den Russia Today auf aktuelle Nachrichten auf seiner Webseite aufmerksam machte. Diese Praxis ist in der Medienwelt weit verbreitet und auch US-Nachrichtensender machen massenhaft davon Gebrauch. Darin kann selbst der verbohrteste Russenjäger keinen Versuch der Wahlmanipulation sehen; sollte man meinen. Denn wie sollen Werbehinweise auf News-Artikel für insgesamt 274 Tausend Dollar Hillary Clinton, die für ihren Wahlkampf 1,2 Milliarden Dollar ausgegeben hat, den Sieg gekosten haben? Daher ist es ein Witz, wenn Senator Walker die „Russia Today“ Spur weiter verfolgen will.

Allerdings hatte eine Untergruppe der US-Geheimdienste im Januar 2017 einen Bericht veröffentlicht, in dem sie die Rolle hervorgehoben haben, die Russia Today angeblich bei der Einmischung in die US-amerikanische Demokratie im Jahr 2016 gespielt habe. Die Methode nach der hier gearbeitet wird, folgt offensichtlich dem Rezept, egal wie mies die Beweislage ist, wichtig ist, die Behauptungen immer wieder zu wiederholen und neue Verdächtigungen auszusprechen, denen- selbst wenn sie noch so lächerlich sind- mit ernster Miene und sorgenvoller Stimme nachgegangen wird, um auf diese Weise die Sache in der Öffentlichkeit am Sieden zu halten.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Textes.

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