Raus aus dem absurden Finanzsystem!

Selbstbedienungsladen ohne Kasse!

Von Rob Kenius.

Etwa 200 Jahre lang war das oberste Ziel der Wirtschaft, zu produzieren, zu liefern und zu konsumieren und zu diesem Zweck die Erde, Pflanzen, Tiere und Menschen auszunutzen oder auszubeuten. Dabei schienen alle Ressourcen unerschöpflich zu sein, mit einem anderen Wort, der Globus schien unendlich zu sein. Das alles geschah und es geschieht noch, um damit Geld zu verdienen. In diesem Denksystem sind die materiellen Ressourcen unendlich und das Geld ist knapp.

Im 21. Jahrhundert ist das Geld für die meisten Menschen immer noch knapp, aber für eine Minderheit ist es in beliebigen Mengen verfügbar. Die Finanzwelt ist in der Position, Geld entsprechend der Nachfrage zu erzeugen und in Verkehr zu bringen. Geld wird von privaten Banken, von Staatsbanken und von privaten Staatsbanken (z.B. FED und Bank of England) ständig erschaffen. Das geschieht durch Kreditvergabe mit der sogenannten Giralgeldschöpfung.

Bei der giralen Geldschöpfung werden Gutschriften auf der einen und Schulden auf der anderen Seite gleichzeitig erzeugt. Auf diese Weise wird die Geldmenge permanent vergrößert. Dieser Vorgang geschieht weltweit unkontrollierbar und unbegrenzt. Geld ist Macht, aber dahinter steht keine materielle Substanz.

Geld ist nur ein von Menschen erschaffener abstrakter Wert, der durch eine Zahl dargestellt wird.

Der Wert des Geldes besteht darin, dass es gegen alle Güter auf dem Markt getauscht werden kann und dass jeder auf dem Markt das Geld akzeptiert. Und jede Ware hat einen Preis, das ist eine Zahl, die ihren Wert in Geld bezeichnet.

Das Geld hat inzwischen eine typische Eigenschaft von Zahlen angenommen: Jede Zahl kann in unserem positionellen dekadischen Zahlensystem beliebig bis ins Unendliche weiter gezählt werden. Die Zahlen, die Geld darstellen, werden immer größer. Das gilt auch für die größte Zahl, die Geld inzwischen hat, die Geldmenge.

Die Geldmenge hat keine obere Grenze, sie ist praktisch unendlich.

Unendlich ist ein Wort, das Mengen bezeichnet, die das menschliche Gehirn nicht erfassen kann. Das trifft auf die Menge von Sandkörnern, Molekülen oder Sternen im All zu. Schon eine Milliarde ist unzählbar.

Es ist einfacher und anschaulicher, zu sagen, die Geldmenge ist unendlich, als zu sagen, sie beträgt 60.000.000.000.000,- (sechzig Billionen) Euro oder Dollar.

Alle Ressourcen des Planeten sind aber endlich und begrenzt. Sie werden ständig weniger mit dem unveränderten Verbrauch durch die Wirtschaft und durch den wachsenden Konsum der wachsenden Bevölkerung. Das Verhältnis zwischen Geld und Ressourcen der Erde hat sich in 200 Jahren umgedreht.

Damals erschien der Planet unendlich und das Geld war knapp, weil Geld an Gold gebunden war. Jetzt aber sehen wir, die Erde und ihre Ressourcen sind endlich.

Für diejenigen aber, die Geld erzeugen und für einige, die es aus der Wirtschaft unversteuert abschöpfen, ist Geld in beliebig großen Mengen verfügbar. Die Geldmenge ist für die Finanzwelt unbegrenzt, das heißt für den normalen gesunden Verstand: Geld ist unendlich.

Alle Anstrengungen zum Geldverdienen durch Arbeit oder Verkauf von materiellen Gütern erscheinen auf einmal sinnlos, wenn auf der anderen Seite Banken, Staatsbanken und private Staatsbanken Geld einfach erzeugen können, indem sie Kredite vergeben.

Besonders sinnlos ist die Aufnahme von Schulden im Namen des Staates, also der Allgemeinheit, weil Geld im Überfluss bereits vorhanden ist und durch die Aufnahme von Schulden der Allgemeinheit bei Banken durch deren Geldschöpfung auf der Seite der Geldbesitzer auch noch mehr wird.

Das bestehende Finanzsystem ist für die einen ein Selbstbedienungsladen ohne Kasse und für die anderen eine Tretmühle ohne Entkommen.

Das Geldsystem muss durch ein neues System ersetzt oder ergänzt werden. Dieses demokratische Geldsystem darf nicht zulassen, dass private Organisationen Geld in beliebigen Mengen erzeugen, das Geldsystem darf nicht Privateigentum sein. Niemand hat das Recht, einen von allen akzeptierten Wert nach eigener Willkür aus dem Nichts zu erschaffen, der dann gegen alle anderen materiellen Werte, Waren, Dienstleistungen und menschliche Arbeit eingetauscht werden kann.

Niemand soll einen Wert aus Nichts willkürlich erschaffen können, für den man alles andere kaufen kann.

Ein System, in dem das möglich ist, ist nicht nur ungerecht, sondern absurd und falsch. Es muss beseitigt, geändert oder unterlaufen werden.

Wenn diese Forderung in absehbarer Zeit nicht durchgesetzt werden kann, muss parallel ein zweites Geldsystem in der Hand des Staates oder einer kommunalen Gemeinschaft kreiert werden, das, wie alle materiellen Werte auf diesem Planeten, begrenzt ist und sich nicht von selbst vermehrt oder durch nicht demokratisch kontrollierte Personen vermehrt werden kann.

Ideal wäre es, wenn dieses Geld wie alle natürlichen Ressourcen auf der Erde mit der Zeit weniger wird. Genauer gesagt, es muss von sich aus nicht im Wert, sondern zahlenmäßig weniger werden, mit einer Wortschöpfung, es sollte degressiv sein.

Die Idee einer degressiven Währung ist nicht neu, aber erst im digitalen Zeitalter elegant zu realisieren. Das wird detailliert beschrieben in dem Artikel über die Degressive Digitale Mark.

Die Degressive Digitale Mark DDM

Der riesige Überschuss an Geld ist ein Problem, das im bestehenden Geldsystem nicht lösbar ist, weil niemand Geld systematisch und kontrolliert vernichten will. Der Geldüberschuss ist zum Vorteil der Geldbesitzer und wird von dieser Seite selbstverständlich nicht gestoppt oder reduziert. Wir brauchen ein demokratisches Geldsystem. Dazu ist gesellschaftliche Macht über das Geldsystem erforderlich.

Zu beachten ist dabei, dass die Menge an Schulden in der gleichen Größenordnung wie die Geldmenge besteht, weil Geld und Schulden bei der giralen Geldschöpfung durch Banken immer gleichzeitig erzeugt werden. Bei der Tilgung von Schulden werden Geldmenge und Schulden gleichzeitig annulliert, das Mengenverhältnis ändert sich dadurch aber nicht. Die Gesamtmenge allen Geldes und die Größe aller Schulden sind nicht genau zu ermitteln; ohne Zweifel aber gilt:

Die Geldmenge ist schon längst um ein Vielfaches zu groß. Um alle materiellen Güter und Leistungen dieser Welt zu kaufen, würde ein Bruchteil von 30% – 35% des vorhandenen Geldes ausreichen. Tendenz: Die Relation wird noch ungünstiger. Durch die jetzige Krise werden weniger Güter und Leistungen produziert, es entstehen aber mehr Schulden und gleichzeitig wird mehr Giralgeld erschaffen.

Die Summe aller Schulden ist wegen der Zinsen und Zinseszinsen, besonders auf Staatsschulden, höher als die gesamte Geldmenge. Die Schulden sind inzwischen so hoch, dass sie nie getilgt werden können. Warum? Weil Geld und Schulden im Groben so verteilt sind, dass die einen (Finanziers, Fonds, reiche Familien) das Geld besitzen und die anderen (Wirtschaft, Staaten und Normalbürger) Schulden haben, ganz besonders aber die Staaten.

Das System wird aufrecht erhalten durch Wirtschaftswachstum, um die Forderungen der Geldbesitzer nach Zinsen und Profit zu erfüllen, wobei die Menge des Geldes und die Höhe der Schulden ständig wächst. Doch prozentuales Wirtschaftswachstum stößt an natürliche Grenzen, weil es in eine exponentielle Wachstumskurve mündet. Die reale Wirtschaft kann nicht wie die Geldmenge (eine abstrakte Zahl) ins Unendliche steigen, weil alle Ressourcen in der Realität begrenzt sind.

Da hilft bisher nur unfreiwillige und unkontrollierte Geldentwertung oder Geldvernichtung, die auf mehrere Weisen erfolgen kann:

  • Inflation
  • faule Kredite
  • Zusammenbrüche von Banken
  • soziale Revolten
  • Krieg

Unfreiwillige Geldvernichtung ist immer mit hohen Gefahren verbunden. Zur Zeit steigt die Kriegsgefahr enorm, weil die Gefahr von den Banken und vom Finanzsektor abgewendet wird. Das ist neoliberale Politik zugunsten der Finanzwirtschaft.

Da man die unkontrollierte Geldvernichtung in all ihren Varianten fürchtet und die Rückzahlung eines großen Teils der Schulden unmöglich ist, versucht man das System zu retten, indem immer mehr Geld hinein gepumpt wird. Diese Maßnahme wird vor allem von den Notenbanken FED und der EZB im großen Stil betrieben.

Bei einem Kassensturz wären tausende Banken und die Mehrzahl aller Staaten Pleite. Der Konkurs wird verschleppt durch Geldschöpfung in unvorstellbarer Höhe bei 0% Zinsen.

Auch negative Zinsen werden praktiziert; das bedeutet, wenn eine Bank ihr Geld bei der EZB parkt, bekommt sie weniger zurück als sie eingezahlt hat. Mit dieser Praxis nähert man sich bereits einem anders strukturierten Geld an, dem sogenannten Schwundgeld.

Ein anders strukturiertes Geld, das von sich aus weniger wird als Zweitwährung ist ein eleganter Weg aus der Finanzkrise. Es ist eine Methode, die zunächst absurd erscheint, aber bei genauerem Hinsehen einen klugen Systemwechsel einleitet. Die Idee ist schon hundert Jahre alt, ist aber erst jetzt im Zeitalter der Kredit-, Bank- und Geldkarten und des Online-Banking einfacher und wesentlich flexibler zu realisieren.

Eine degressive Zweitwährung.

Der Ausdruck degressiv ist neu, trifft aber den Kern der Sache besser als ältere Bezeichnungen wie zum Beispiel der Begriff “Freigeld” von Silvio Gesell, der als Erfinder dieses Systems gilt. Üblich ist auch die Bezeichnung “Schwundgeld”, welche den Vorgang bezeichnet, dass dieses Geld mit der Zeit weniger wird, es (ver)schwindet.

Nennen wir die Währung Mark, dann kreieren wir die Degressive Digitale Mark DDM mit folgenden Eigenschaften:

  • DDM existiert nur auf Geldkarten und Konten, nicht als Bargeld.
  • Alle, die Geld einnehmen, sind verpflichtet, DDM als Zahlungsmittel zu akzeptieren.
  • Jedes Guthaben wird in jeder Woche mit einem Abschlag belegt, der zum Beispiel 1% sein soll.
  • Stichtag: In der Nacht von Montag auf Dienstag um Null Uhr wird der Abschlag fällig.
  • Wer am Samstag zuletzt 100 DDM auf seiner Geldkarte hatte und am Dienstag damit bezahlt, dem wird zuerst der Abschlag abgezogen und er hat nur noch 99 DDM auf der Karte.
  • Verfeinerte Regeln für die Praxis
  • Ein Monat Kulanz-Zeit

Die Regelung mit einem festen Abschlag-Termin kann dazu führen, dass kurz davor zahlreiche Überweisungen getätigt werden. Das könnte bewirken, dass die Empfänger ihrerseits das Geld noch Sekunden vor dem Termin weiterreichen wollen. Das wäre eine unerwünschte Stress-Situation für die Geldempfänger und für den Geldverkehr.

Um das zu vermeiden, empfiehlt sich folgende Regel:

Der wöchentliche Abschlag wird von dem Kontostand genau einen Monat vor dem Stichtag berechnet. Also nicht vom aktuellen Kontostand. So ist jeder Zahlungseingang einen Monat lang voll verfügbar. Wenn am Dienstag, den 07.07.2020 um Null Uhr der Abschlag fällig ist, wird er vom Kontostand am Sonntag, den 07.06.2020 (mit 1%) berechnet.

Diese Regelung bewirkt außerdem, dass Empfänger von monatlichen Löhnen, Gehältern, Renten und Mieten nicht gezwungen sind, die Beträge in weniger als 7 Tagen wieder auszugeben. Sie haben einen ganzen Monat Zeit, über das degressive Geld auf ihrem Konto oder auf ihrer Geldkarte zu verfügen.

Degressives Konto überziehen

Rein rechnerisch würde bei einem negativen Kontostand die Subtraktion einer negativen Zahl den Saldo verbessern, Schulden würden durch den Abschlag verringert. Um das zu vermeiden, soll der Abschlag vom Absolutbetrag berechnet werden, er ist also immer negativ, und vergrößert dann den Negativbetrag.

Ein Konto mit Degressiver Währung kann also überzogen werden, allerdings automatisch mit hohen Zinsen (1% pro Woche). Dieser Zins-Effekt entfällt, wenn vor dem Stichtag das Konto wieder ausgeglichen wird. Wer also am Montag sein Gehalt erwartet, kann das Degressive Geld ab dem Dienstag davor schon ausgeben, ohne dass Überzugzinsen (durch den Abschlag von 1% bei negativem Kontostand) entstehen. Es zählt der Saldo am Stichtag.

Das Degressive Geld hat folgende Effekte: Es kurbelt die (lokale) Wirtschaft an, weil jeder es schnell und effektiv ausgeben will, und es ist nicht zur Geldansammlung geeignet.

Gegenüber historischen Versuchen mit Freigeld und Schwundgeld hat die Degressive Digitale Währung mehrere Vorteile.

Der Abschlag lässt sich in kurzen Zeitabständen (von einer Woche) verwirklichen. Dadurch wird verhindert, dass Händler Waren bis zum Stichtag zurückhalten.

Der Abschlag lässt sich je nach Bedarf leicht verändern und damit kann die Wirtschaft gesteuert werden. Der Satz von 1% pro Woche ist hier als einfaches Zahlenbeispiel gemeint.

Weil DDM nur auf Konten und Karten existiert, kann der Umtausch in eine herkömmliche Währung mit einer Transaktionsgebühr belegt werden. Diese zu umgehen ist dann nur auf dem Schwarzmarkt in kleinen Mengen möglich.

Die DDM als Zweitwährung empfiehlt sich als Währung für Staaten mit schwerer Verschuldung. Der Staat erklärt sich gegenüber seinen Schuldnern für zahlungsunfähig, bedient also keine Kredite mehr und löst Staatsobligationen nicht ein. Er kommt aber seinen Verpflichtungen gegenüber den Bürgern mit der Degressiven Digitalen Zweitwährung nach. Alle Firmen erhalten ein Konto für DDM und alle Bürger eine Geldkarte mit einem Startbetrag. Die Angestellten, Rentner und Sozialhilfeempfänger erhalten ihre Zuwendungen in DDM.

Dabei hat die Organisation der Gemeinschaft, welche die DDM steuert, zwei Parameter, um die Wirtschaft und die Finanzen zu steuern: Die ausgegebene Geldmenge und den prozentualen Abschlag; beides muss sinnvoll eingesetzt werden.

Die alte Währung wird nicht abgeschafft, nur die Gemeinschaft benutzt dieses Geld nicht mehr. Die Bürger können es benutzen und es wird sich ein freier Umrechnungskurs herausbilden. Der Umtausch wird mit der Transaktionsgebühr belegt, damit sich kurzfristiges hin und her Tauschen nicht lohnt, sonst könnte man den wöchentlichen Abschlag umgehen.

Diese Transaktionsgebühr wird in beide Richtungen erhoben. Sie ist ein Parameter, mit dem das Abgreifen von DDM und den Einsatz der Festwährung (EURO) gesteuert wird.

Das System einer Degressiven Digitalen Zweitwährung ist die geeignete Gegenmaßnahme gegen den störenden Geldüberfluss der Leitwährungen. Ein Geldüberfluss in DDM kann nicht entstehen, weil er automatisch und kontrolliert abgebaut wird.

Im Zusammenhang mit einem bedingungslosen Grundeinkommen wäre es naheliegend, dieses bedingungslose Grundeinkommen in einer degressiven digitalen Form zu verwirklichen, damit das Grundeinkommen nicht zur Vermehrung des Geldüberflusses in Händen der Großgeldbesitzer beiträgt.

Besonders solide ist das Modell in Verbindung mit Direkter Demokratie; die finanzielle Position der Gemeinschaft wird gestärkt und alles ist unter möglichst direkter Kontrolle der Bürger.

Geldvermehrung durch Giralgeld

Banken verleihen Geld seit etwa 700 Jahren. Wie das funktioniert, weiß jeder oder glaubt es zu wissen. Man geht zur Bank und fragt nach einem Kredit, um ein neues Auto zu kaufen oder eine Eigentumswohnung. Wer genug Einkommen nachweisen kann, bekommt schnell das nötige Geld in die Hand, besonders dann, wenn er kinderlos verheiratet ist mit jemandem, Mann oder Frau, der oder die auch noch Geld verdient, am besten gleich im öffentlichen Dienst, denn da wird keiner rausgeschmissen.

Aber halt, nicht so schnell, so einfach ist es nicht!

Wir bekommen auf der Bank nämlich kein Geld in die Hand, sondern eine Gutschrift auf ein Konto genau bei dieser Bank. Von dem Konto können wir eine Überweisung an die Firma tätigen, die das Auto liefert oder die Wohnung verkauft oder das Haus baut. Gleichzeitig verpflichten wir uns in einem Kreditvertrag, das Geld plus Zinsen in Raten zurückzuzahlen.

Was macht die Bank also? Die Bank gibt uns eine Gutschrift und weist uns gleichzeitig eine Schuld zu.

Die Gutschrift geht zu Lasten der Bank, sie verpflichtet sich, Geld, das auf dem Konto gebucht ist, dann auszuzahlen, wenn es verlangt wird. Die Schuld dagegen ist ein Bilanzposten zu Gunsten der Bank. Notfalls kann sie sich durch Pfändung das Auto holen und auch an unseren Lohn oder unser Gehalt kommen oder sogar das Haus versteigern lassen. Die Bilanz der Bank ist buchungstechnisch ausgeglichen. Sie verdient an den Zinsen.

Die meisten denken, dass eine Bank dabei Geld verleiht, das sie besitzt, oder das andere Kunden als Sparer eingelegt haben. So wird es wohl auch anfangs gewesen sein. Aber Banken haben sehr viele Kunden, viele, die nicht nur Autos kaufen, sondern eine Firma gründen oder ein Haus bauen. Trotzdem sagen Banken fast nie nein, wenn der Kunde eine Sicherheit bieten kann oder ein festes Einkommen hat. Die Bank ist besonders dann interessiert, wenn das Geld zum Kauf einer Immobilie eingesetzt wird, auf die sie eine Hypothek legen kann.

Was aber, wenn das Geldvermögen einer Bank durch Kreditvergabe zu Ende geht? Dann kann sie versuchen, mehr Sparer anzulocken. So hat es früher funktioniert. Doch wenn es in der Kreditabteilung der Bank richtig gut läuft, wird mehr Kredit verlangt, als Geld in der Bank greifbar ist. Viel mehr. Und wenn eine Bank nein sagt, gehen die Kunden zur nächsten.

Wer die Giralgeldschöpfung erfunden hat, lässt sich nicht mehr feststellen, auch nicht, wann es geschah, weil der Anfang dieses Geschäftes mit Sicherheit im Dunkeln liegt und ohne genaue Nachprüfung der Bankgeschäfte auch nicht von außen zu erkennen ist. Wer war der erste Eigentümer? Wer war der erste Dieb? Wer der erste Geldverleiher?

Nehmen wir an, die (fiktive) Cleverbank CB hatte als erste diese Idee der Giralgeldschöpfung. Unter den Angestellten dort hatte jemand einen guten Instinkt für Statistik und Wahrscheinlichkeit. Er oder sie dachte sich, wenn die Bank tausend Kredite vergibt über zehn Millionen, muss sie nicht damit rechnen, dass plötzlich die Konten aller 1000 Kreditnehmer gleichzeitig leer geputzt werden, dass sie also zehn Millionen in kurzer Zeit bar auszahlen müsste. Das wird nach der statistischen Wahrscheinlichkeit nicht eintreten.

Außerdem wird der Bauherr Großhaus, dem die Cleverbank einen Kredit über eine halbe Million für ein Haus mit zwei Eigentumswohnungen bewilligt hat, vielleicht zwanzigtausend an den Dachdeckermeister Giebelwind überweisen, der ebenfalls bei der CB ein Konto hat. Die CB braucht dann gar kein Geld, um dieses Geschäft zu tätigen, sie bucht den Betrag nur von einem Konto auf das andere.

Wir nehmen jetzt an, die Cleverbank sei am Ende ihrer Geldreserven einschließlich der Kundeneinlagen angelangt. Ein seriöser Beamter und seine Ehefrau, ebenfalls im Öffentlichen Dienst, wollen ein Haus bauen und benötigen noch hunderttausend Euro. Die CB gibt den Kredit, das heißt, sie macht eine Gutschrift für das Ehepaar und verbucht die Schuld auf der Habenseite der Bank. Die Bilanz stimmt. Keiner draußen hat was gemerkt. Niemand weiß, dass die Bank alles Geld, das sie besitzt, schon längst verliehen hatte.

Die Bank verleiht damit Geld, das sie gar nicht besitzt und, was noch erstaunlicher ist, Geld, das es bisher gar nicht gegeben hat! Sie hat Geld aus dem Nichts erschaffen.

Der Abschnitt “Geldvermehrung durch Giralgeld” stammt aus dem Buch Leben im Geldüberfluss, Rob Kenius, 2019.

Rob Kenius ist Diplomphysiker und freier Autor. Er betreibt die systemkritische Webseite kritlit.de

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Billion Photos / shutterstock

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