Psychologie als Herrschaftsmethode | Vom Projekt “Neue Debatte” (Podcast)

Die emanzipatorische Veränderungsenergie in der Bevölkerung wird von den Herrschenden immerzu auf Ablenkziele gerichtet.

Willkür und Unterwerfung sind Instrumente des Totalitarismus. Schon die Publizistin Hannah Arendt beschrieb den Terror als unverzichtbares Werkzeug von totalitären Regimen. Die Spaltung der Gesellschaft, Propaganda, die Dauerbeschallung mit gewissen politischen Informationen und Angstmache verstärken paradoxerweise die Sehnsucht nach autoritärer Führung innerhalb der Bevölkerung. Offenbar befinden sich die Gesellschaften wie schon in den 1930-Jahren in einer kritischen und gefährlichen Phase.

Macht, Herrschaft und Psychologie

Die klinische Psychologin Elisabeth Mayerweck und der Psychologe, Kommunikations- und Erziehungswissenschaftler Roman Braun beschreiben beim Kamingespräch von Idealism Prevails (Moderation Doris Peczar) die psychologischen Methoden, die von Medien und Politik eingesetzt werden, um die Bevölkerung und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Dies geschieht nicht erst seit Beginn der sogenannten Coronakrise, sondern ist ein wesentlicher Baustein zur Absicherung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse.

Die psychologischen Methoden des autoritären Staats: Propaganda, permanente Angstmache und Repression (Quelle: YouTube/Idealism Prevails)

Aktuell sind Phänomene wie Angst, Konflikte, Bespitzelung, Denunziantentum und Zensur zu beobachten. Mitverantwortlich für diese Effekte sind die von den Machthabern genutzten Propagandawerkzeuge, die aus totalitären Regimen bekannt sind.

Es steckt definitiv ein System hinter all dem, meint Dr. Roman Braun. Allerdings nicht erst seit 2020, sondern bereits seit 1920, als man vonseiten der Elite begonnen hat, einer aufgeklärten Gesellschaft Krieg schmackhaft zu machen.

Das Ablenkungsziel

Während bis zum 19. Jahrhundert Krieg ein Teil der Marktwirtschaft war, wurde die Argumentation für Kriege in der aufgeklärten Gesellschaft immer schwieriger. Deswegen wird ein “externer Feind” benötigt (und nicht selten konstruiert), um Krieg und kriegerische Handlungen zu rechtfertigen und auch die Ermächtigung des Volkes — somit also Demokratie — zu unterbinden.

Dieser Feind, der ein „Ablenkungsziel“ darstellt, kann zum Beispiel Terrorismus sein oder der Islam oder eben auch ein Virus. Wie auch immer: Wichtig sei aus Sicht der Machthaber, dass sich die Angst und die aufgestaute Energie der Bevölkerung nie gegen die Regierung richtet, sondern immer nur gegen diesen Ablenkungsfeind, sagt Roman Braun.

Wenn die Ablenkung nicht funktioniert, bleibt die Repression. Demokratie, also Volksherrschaft, käme daher auch nur dann zustande, wenn die Kosten für diese Repression zu groß würden. Für Braun ist klar: Die Mächtigen und Reichen waren noch nie an Demokratie interessiert. Aus seiner Sicht gibt es lediglich drei Gründe für demokratische Zugeständnisse seitens der Mächtigen:

  • Versprechen an die Masse können nicht mehr glaubwürdig übermittelt werden (zum Beispiel „… die nächsten drei Wochen werden entscheidend sein“ oder „Kein Lockdown mehr“).
  • Konflikt innerhalb der Elite.
  • Ein Volksaufstand oder eine Revolution.

Da die reichsten Multimilliardäre der Welt in der Coronakrise ihre Vermögen erheblich vermehren konnten, wird es auf absehbare Zeit keinen Konflikt innerhalb dieser Eliten geben, prognostiziert Dr. Braun. Ein Volksaufstand sei ebenso wenig zu erwarten, schon gar nicht in Österreich. Die Bevölkerung neige — auch historisch bedingt — kaum zu Revolutionen.

Allerdings scheint es möglich, dass die nicht eingehaltenen Versprechen der Regierung in der Coronakrise und die aktuellen Korruptionsfälle rund um die neoliberale ÖVP die Glaubwürdigkeit der Regierenden beeinträchtigt und somit die Zustimmung der Bevölkerung zur Regierung und ihren Handlungen deutlich sinken könnte.

Angst als Methode

Die grundsätzliche Frage nach dem Hang der Menschen, „gehorsam“ dem Diktat der Mächtigen zu folgen, ist zum Teil physio-ökonomisch begründet. Es ist für den Menschen deutlich aufwendiger, sich der Macht zu weigern, als der Masse zu folgen und sich der Herrschaft zu widersetzen. Zum anderen wird eine Meinungsänderung als erheblich aufwendiger erlebt, als bei einer einmal gefassten Meinung zu bleiben.

Teil der Manipulation sei es außerdem, dass die Regierung sich stets als undurchschaubar darstellt und Regeln immer wieder ändert, wohingegen die Bevölkerung immer durchschaubarer wird (Beispiel: „Grüner Pass“). Das hält die Bevölkerung in Angst und macht sie für die Machthaber besser steuerbar.


Redaktionelle Anmerkung: Dieser Text erschien zuerst unter dem Titel „Psychologie: Die Methoden des autoritären Staats“ bei Neue Debatte. Das verlinkte Video wurde produziert von Idealism Prevails.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: shutterstock / fran_kie

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