Niveauregulierung – eine Kolumne (3)

Von Bernhard Loyen.

Zur Vorbereitung eines sportlichen Wettkampfs gehört es bei Mannschaftssportarten zur allgemeinen Routine, sich mit dem kommenden Gegner zu beschäftigen. Man besucht ein Spiel, oder betrachtet etwaig vorhandenes Bildmaterial zur Analyse. In der politischen Analyse verläuft es ähnlich. Man liest Texte, ggf. Bücher des politischen Gegners und/oder betrachtet existierendes Bildmaterial, um ihn “zu verstehen”, bzw. Gegenargumente zu erarbeiten und zu verfassen. In unseren Zeiten ist dieses Vorgehen sehr einfach geworden, da das World Wide Web nichts unentdeckt lässt, wenn man die Muße hat in die Tiefe zu recherchieren. Bei aktuellen Anlässen schaut man in eine Mediathek. Das Argument, so einen Dreck lese ich nicht, schaue ich mir nicht an, ist daher bedingt kontraproduktiv.

Durch rezensierende Artikel wurde ich auf die letzte Sandra Maischberger Sendung vom 27.01.2016 aufmerksam. Ich habe sie schon lange nicht mehr angesehen. Diesmal wollte ich es trotzdem probieren. Schaffen es etablierte Journalisten und Politiker die Partei AFD, vertreten durch die Vorsitzende Frauke Petry, zu attackieren? Werden sie angreifen, wie werden sie argumentieren? Haben sie Argumente?

Der Titel der Sendung lautete: Tabupartei AFD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?[1]

Es waren zähe 74.08 Minuten. Der folgende Text soll keine weitere Rezension der Sendung werden. Mir geht es um die Partei AFD. Ich empfinde sie als sehr gefährlich, unangenehm und unbedingt zu bekämpfen. Schriftlich durch Textbeiträge und öffentlich auf der Straße. Schon das Fragezeichen im Sendetitel fand ich interessant. Man braucht nun wahrlich nicht lange im www. zu recherchieren, um Ereignisse zu sammeln, die schlicht resümieren lassen – nicht zu unterschätzende Prozentsätze von Bürgern dieses Landes sind schon lange rechts abgebogen, daher erübrigt sich eigentlich das Fragezeichen im Sendetitel. Die ARD bleibt aber lieber unsicher. Ernst Jandl, österreichischer Lyriker schrieb im Jahre 1966 folgende Zeilen:

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern.
werch ein illtum!

Die Gefahr der Verwechslung, oder des Irrtums existieren bei Betrachtung von Frau Petry nicht. Sie ist Vorsitzende einer Partei, die in den letzten Monaten ihren neuen Kurs klar gewählt und eingeschlagen hat – stramm rechts.

Die Diskussion, wann eine Aussage, eine Meinung rechtskonservativ und wann rechtsradikal sei, empfinde ich bei der momentanen Stimmung in diesem Land müßig und überflüssig. Herr Henkel, ehemals Mitglied der Partei AFD, formulierte als Gast in der Sendung eine typische Relativierungsthese der Konservativen. Es gäbe keinen Rechtsruck in unserer Gesellschaft. Die Politik von Frau Merkel rücke doch eher nach links = SPD, in der Flüchtlingspolitik sogar in Richtung der Grünen, so seine Einschätzung.

Frau Petry lauschte, schmunzelte, lächelte, oder sprach sehr lange wütende Allgemeinsätze. Bei direkten Fragen bezüglich ihrer Partei, bezogen auf Aussagen von Parteimitgliedern im Netz, oder auf Veranstaltungen lamentierte sie herum. Alles falsch, Lüge, aus dem Kontext gerissen. Die Partei sei zu keinem Zeitpunkt rechts unterwandert, sprach sie. Nun ja, da mag sie Recht haben. DIE AFD ist nicht unterwandert, sie ist schlicht eine offen rechte Partei. Nach dreimaligen Nachfragen bestätigte Frau Petry ihre Einschätzung, dass Herr Höcke kein Rassist ist. Was er dann darstellt, wurde nicht mehr in der Sendung geklärt. Für mich ist er ein deutsch tümelnder Rassist. In diesem Fall – illtum treffend.

Diese Partei ist Ballführer für eine aggressive, explosive und dumpfe Stimmung in diesem Land! Sie trägt Mitverantwortung für Ereignisse und Strömungen. Man könnte Beispiele, Vorfälle, Statistiken zuhauf präsentieren. Sie sollten, müssten bekannt sein. Nehmen wir als aktuellere Beispiele[2], [3] & [4]und die immer mehr führende Rolle des Compact Magazins[5]. Der Mittler zwischen AFD Sympathisanten und WasAuchImmer – gida Truppen im K(r)ampf um nationale Befindlichkeiten. Warum ein Gerhard Wisnewski auf diesen Zug aufspringt, bzw. sich einlässt bedarf einer noch folgenden Analyse.

Frau Maischberger beendete ihre Spitzensendung mit dem lapidaren Satz – ich danke für eine muntere und heitere Debatte. Debatten zu und um die Partei AFD kann ich weder munter, noch heiter befinden. Die AFD darf weder belächelt, ignoriert, oder in Ruhe gelassen werden. Sie muss bekämpft werden – mit allen Mitteln!

Alle Quellen:

[1] – http://www.ardmediathek.de/tv/Maischberger/Tabupartei-AfD-Deutschland-auf-dem-Weg/Das-Erste/Video?documentId=33023988&bcastId=311210
[2] – http://www.spiegel.de/politik/deutschland/rassismus-in-deutschland-wir-wehren-uns-gegen-rechts-kommentar-a-1074581.html
[3] – http://www.faz.net/aktuell/politik/fluechtlingskrise/entsetzen-nach-handgranaten-anschlag-auf-fluechtlingsheim-14041004.html
[4] – http://www.n-tv.de/politik/Pegida-wirbt-offen-fuer-AfD-article16796341.html
[5] – https://www.compact-online.de/video-praesentation-compact-22016-freiwild-frau-mit-elsaesser-wisneswki-und-janich/

 

Danke an den Autor für das Recht der Zweitverwertung.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Auch interessant...

Kommentare (18)

Hinterlassen Sie eine Antwort