Niveauregulierung – eine Kolumne (31)

von Bernhard Loyen.

Mein Problem? Ich möchte noch immer verstehen. Haben Sie das Wählerverhalten in Schleswig-Holstein verstanden? Verstehen Sie die Wahlprognosen für Nordrhein-Westfalen? Ich deutete in meiner letzten Kolumne die Befürchtung einer gestärkten FDP an. Es kam so und es wird noch schlimmer. Zeit-Online titelte am 12.05.2017 folgende Drohung:

“Einer Umfrage des ZDF zufolge hätte weder eine rot-grüne noch eine rot-rot-grüne Koalition die Mehrheit in Nordrhein-Westfalen. Für die FDP eröffnen sich Machtoptionen.”

Machtoptionen für die FDP? Nun frage ich mich also, warum erhält diese Partei weiterhin bzw. neuerdings so viele Stimmen? Was bewegt die Bürger Schleswig-Holsteins dieser Partei ihre Stimme zu geben? 11,5% entsprechen einem Plus von 3,3% zur vorherigen Wahl, bei 64,2% Wahlbeteiligung (2012: 60,2%). Wofür? Welche Leistung wird belohnt? Es wird mir ein Rätsel bleiben.

In der Jungen Welt vom 12.05.2017 konnte ich erlesen, dass im Vorfeld der TV-Sendung “Illner-Spezial” für den gleichen Tag, folgende Parteien eingeladen wurden: CDU, SPD, Grüne und – Achtung (!) – die FDP. Das Thema lautet “Innere Sicherheit”.

Die Parteien Die Linke und die AFD sollten ursprünglich separat ein 12-minütiges Streitgespräch führen. Die Linke hat hinsichtlich dieser Regieanweisung für die Sendung abgesagt – nachvollziehbar.

In trauter Zweisamkeit haben sich die großen, ehemaligen Volksparteien schon jetzt mit den Medien auf Spur gebracht. Das gemeinsame Ziel für die anstehende Bundestagswahl 2017 lautet: die sogenannten Links-und Rechtsaußen Parteien werden boykottiert, Wählerinteresse manipuliert, Informationen und Inhalte sabotiert und am ekelhaftesten: Steigbügelhalter wie die Grünen und ehemals Scheintote wie die FDP werden ins vermeintlich gemeinsame Boot gezogen.

Auf den Nachdenkseiten schrieb A. Müller über das nicht überraschende Panikverhalten der SPD in den Tagen seit der Schleswig-Holstein Wahl.

Ein Leser bei  Zeit-online fasste das Dilemma der politischen Kaste sehr schön wie folgt zusammen:

“Die tollen Wahlplakate der FDP dürften da auch ihren Beitrag geleistet haben: Christian Lindner schaut besorgt. Christian Lindner schaut energisch. Christian Lindner hält eine Rede. Christian Lindner zieht sich seinen Mantel an (…). Dazu dann noch knackige Slogans wie ‘Grün-rote Wirtschaftspolitik: das andere Wort für Sabotage’ oder ‘Besser das Land wechselt die Politik, als die Unternehmen das Land’ und man kann den Aufstieg der FDP wieder nachvollziehen. Wenn das nicht den Durchschnittswähler anspricht, was dann?”

Tja, was dann? Verstehen oder nachvollziehen kann man das Wählerverhalten nicht wirklich, wie so vieles in den hiesigen Zeiten.

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

 

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