Niveauregulierung – eine Kolumne (12)

Von Bernhard Loyen.

Böses, böses Russland. Gleich im Doppelpack aus dem Hause ARD für die vergangene Woche im Fernsehprogramm. Zuerst die vermeintlich erschütternde Dokumentation – Geheimsache Doping, Showdown für Russland[1].

Folgende Sätze finden sich in der Sendung:
Diese Geschichte spielt in Russland, aber sie kann überall auf der Welt spielen, in ganz ähnlicher Art. Hinweise auf Doping und Korruption gibt es immer wieder. In der Leichtathletik, aber auch in vielen anderen Sportarten…..Große Sportverbände halten die die Weltöffentlichkeit zum Narren. Zu viele Dopingschlagzeilen, schlecht fürs Geschäft. Wichtiger sind Milliardendeals, politische Gefälligkeiten…

Aha. Dies sind jedoch nicht die einleitenden Sätze dieser Dokumentation, sondern man findet sie am Ende der Sendung. Warum? Vorher müssen Klischees bedient werden. Ja, viele Nationen nutzen Doping im Spitzensport, aber – die Russen, das sind die Schlimmsten von den Schlimmen = vermeintliches Staatsdoping, natürlich mit Wissen von W. Putin. Endgültige Beweise – nein. Hajo Seppelt, sog. ARD Doping Experte kämpft seit Jahren glaubwürdig gegen das Sportdoping. Es gibt den schönen Satz – vielleicht erst mal vor der eigenen Türe kehren, bzw. schon wieder warum? Warum nicht dieser Rechercheehrgeiz im eigenen Land, oder in den USA?

Im Anschluss an die Dokumentation ging es nahtlos bei Frau Maischberger weiter. Interessanter Weise fehlte aber das Wort Russland im Titel, der lautete – Gedopt, gelogen, gewonnen: Wie kaputt ist der Sport? Im ersten Drittel ging es natürlich um Russland, bezogen auf die Dokumentation. Dann wurde es jedoch aufschlussreicher, da es sich thematisch nicht verhindern ließ Doping als das anzusehen was es ist – ein globales Problem. Sehr sehenswert ist das verbale sich Winden von Michael Vesper (Vorstandsvorsitzender Deutschen Olympischen Sportbundes) ab Minute 00.54[2].

Roter Faden der Sendung war, soll/muss Russland von den kommenden olympischen Spielen ausgeschlossen werden? In der nächsten Woche fällt dazu die Entscheidung[3].

Wir gehen in das Jahr 1980. Olympische Spiele in Moskau. Auch damals wurde boykottiert, bloß andersrum. Die damalige UdSSR war in Afghanistan einmarschiert. Dazu das Olympia-Lexikon: Truppen der Sowjetunion waren zur Jahreswende 1979/80 in das benachbarte Afghanistan einmarschiert, um das dortige Regime im Bürgerkrieg zu stützen. US-Präsident Carter forderte einen Boykott der Moskauer Spiele, falls sich die Sowjets nicht bis zum 20. Februar zurückzögen. Als die UdSSR dieser Forderung nicht nachkam, wurden im Westen unter Führung der USA die Bestrebungen, die Spiele tatsächlich zu boykottieren, immer stärker…. [4]

Aha. Der letzte Satz kommt einem irgendwie so bekannt vor. Also, history repeating, nur eben andersrum? 65 NOKs von damals 148 vom IOC anerkannten boykottierten schließlich die Spiele in Moskau, darunter die leistungsstarken Mannschaften der USA, die Bundesrepublik Deutschland, Kanada, Japan, China, Kenia und Norwegen.[4]

Kurz – wie hießen doch gleich die tapferen Oppositionsgruppen Afghanistans damals? Mujahideen, später auch unter al-Qaida bekannt. Wer finanzierte sie doch gleich, bzw. baute sie auf und forcierte damit das militärische Desaster für die damalige UdSSR.[5]

Brzezinski: In der offiziellen Version der Weltgeschichte begann die Unterstützung der Mujahideen durch die CIA in den 1980er Jahren, sprich nach dem Einmarsch der Sowjet-Truppen in Afghanistan [am] 24. Dezember 1979. Die bisher gut behütete Realität dahinter sieht jedoch völlig anders aus. Tatsächlich unterzeichnete Präsident Carter den ersten Befehl zur verdeckten Unterstützung der Gegner des pro-sowjetischen Regimes in Kabul bereits am 03. Juli 1979. Am gleichen Tag schrieb ich dem Präsidenten eine Nachricht, in der ich ihn darauf hinwies, dass meiner Ansicht nach diese Unterstützung unweigerlich zu einer sowjetischen Militärintervention führen würde.

Frage: Aber trotz dieses Risikos waren sie ein Befürworter dieser verdeckten Operation. Vielleicht wünschten Sie sich ebenfalls eine Kriegserklärung der Sowjetunion und wollten diese provozieren?

Brzezinski: Das ist so nicht ganz richtig. Wir haben die Russen nicht gedrängt zu intervenieren, wir haben nur absichtlich die Wahrscheinlichkeit dafür erhöht.

Frage: Als die Sowjets ihre Intervention mit der Bekämpfung einer verdeckten Einmischung der Vereinigten Staaten in Afghanistan begründeten, glaubte ihnen niemand, obwohl diese Aussage im Grunde genommen richtig war. Bereuen Sie diesen Schritt aus heutiger Sicht nicht?

Brzezinski: Was soll ich bereuen? Diese verdeckte Operation war eine hervorragende Idee. Sie bewirkte, dass die Russen in die afghanische Falle tappten und sie erwarten ernsthaft, dass ich das bereue? Am Tag, an dem die Russen offiziell die Grenze überschritten, schrieb ich Präsident Carter: Jetzt haben wir die Möglichkeit, der UdSSR ihren Vietnamkrieg zu liefern. Und tatsächlich sah sich Moskau während der folgenden 10 Jahre gezwungen, einen Krieg zu führen, den sich die Regierung nicht leisten konnte, was wiederum die Demoralisierung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Herrschaftsgebiets zur Folge hatte.

Frage: Und sie bereuen es also auch nicht, den islamischen Fundamentalismus unterstützt und somit Waffen und Know-how an zukünftige Terroristen weitergegeben zu haben?

Brzezinski: Was ist wohl bedeutender im Lauf der Weltgeschichte? Die Taliban oder der Zerfall des sowjetischen Reiches? Ein paar verwirrte Moslems oder die Befreiung Mitteleuropas und das Ende des Kalten Krieges? (The CIA’s Intervention in Afghanistan, Interview with Zbigniew Brzezinski, President Jimmy Carter’s National Security Adviser. Le Nouvel Observateur, Paris, 15.-21. January 1998)[5].

Am 22.06.2016 jährt sich zum 75. Mal der Jahrestag des Einmarschs deutscher Soldaten auf russisches Territorium. Bezugnehmend auf dieses historische Ereignis, gibt es eine sehr aufschlussreiche Antwort der Bundesregierung auf die kleine Anfrage der Abgeordneten Dagdelen, Gehrcke, Groth und anderer Abgeordneter der Fraktion Die Linke im Bundestag[6].

Die hiesige Bundesregierung sieht also keine Notwendigkeit dieses Datums zu Gedenken. Warum auch? Schlicht andere Prioritäten. Traurig, sehr traurig. Schlicht beschämend.

Quellenhinweise:

[1] – http://www.ardmediathek.de/tv/Sportschau/Geheimsache-Doping-Showdown-f%C3%BCr-Russla/Das-Erste/Video?bcastId=53524&documentId=35869002
[2] – http://www.ardmediathek.de/tv/Maischberger/Gedopt-gelogen-gewonnen-Wie-kaputt-is/Das-Erste/Video?bcastId=311210&documentId=35871520
[3] – http://www.spiegel.de/sport/sonst/doping-russischer-sportminister-fuerchtet-olympia-verbot-a-1094740.html
[4] – http://www.olympia-lexikon.de/Moskau_1980#Boykott
[5] – http://www.globalresearch.ca/articles/BRZ110A.html
[6] – http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/18/085/1808532.pdf

 

Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Artikels.

KenFM bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Meinungsartikel und Gastbeiträge müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Auch interessant...

Kommentare (18)

Hinterlassen Sie eine Antwort