Missing Link to Ola Frithiofson

Die “Schwedische U-Boot-Affäre” der 80er Jahre gilt unter Fachleuten als die weltweit erfolgreichste Operation der psychologischen Kriegsführung.

In der Amtszeit von US Präsident Ronald Reagan drangen angeblich sowjetische U-Boot in hunderten Fällen in die schwedischen Gewässer ein, insbesondere in den sogenannten Schärengarten vor Stockholm und die Region vor dem Marinehauptquartier Süd bei Karlskrona. Damals wurde behauptet, die U-Boote Einsätze dienten Kriegsvorbereitungen. Merkwürdigerweise zur gleichen Zeit, während Olof Palme seine “Gemeinsame Sicherheitspolitik” mit den Sowjets und dem Warschauer Pakt verhandelte.

Warum die Sowjets, deren maroder Staat unübersehbar bröckelte, ausgerechnet die Entspannungspolitik von Olof Palme und Egon Bahr (der sie im Auftrag Palmes entwickelt hatte) torpedieren wollten, war bereits damals unter rationalen “cui bono” Gesichtspunkten nicht zu verstehen; aber die westlichen Medien im Allgemeinen und die schwedischen im Besonderen berichteten ausdauernd und in völliger Übereinstimmung mehr als 10 Jahre über sowjetische Operationen in Schweden. Nur sehr selten wagten es einzelne investigative Journalisten, die Thesen der herrschenden Berichterstattung in Frage zu stellen. Sie wurden schnell und effektiv durch den Vorwurf, absurde antiamerikanischen Verschwörungstheorien verbreiten zu wollen ins Abseits gedrängt, und hatten danach mit beruflichen und persönlichen Konsequenzen zu kämpfen.

Heute ergeben die Indizien ein klares Bild. Es gab die gesichteten U-Boote wirklich, aber es waren amerikanische, britische und italienische U-Boote und Mini-U-Boote. Kein einziger Fall eines sowjetischen Geister-U-Bootes ist mehr übrig, im Gegenteil, alle Beweise sprechen heute ausnahmslos für westliche U-Boote.

Die erfolgreichste Täuschungsoperation aller Zeiten bestand zu 100% aus Fake News, produziert und verbreitet durch die CIA und eine intern als „Komitee für Täuschungsoperationen“ bezeichnete Gruppe von Stellvertretern der wichtigsten US Ministerien unter der Leitung von CIA-Chef Bill Casey. Sie produzierten ihre eigene gefälschte Realität und inszenierten Fake News, die von den „Qualitätsmedien“ begierig aufgegriffen wurden.

Falls es einer Erinnerung bedarf, wie fehlerhaft, korrupt und gefährlich ein Konzept des „Faktenchecks“ durch sogenannte „Qualitätsmedien“ nach der kriegsvorbereitenden „Brutkastenlüge“ 1991 vor dem ersten US-Golfkrieg und den angeblichen „Massenvernichtungswaffen“ vor der US-Invasion des Irak 2003 ist, sollte die schwedische Täuschungsoperation der Regierung Reagan als bestes abschreckendes Beispiel dienen.

Reagans Täuschung verhinderte Olof Palmes erfolgreich begonnene Entspannungspolitik zugunsten einer blockfreien Welt, die im direkten Gegensatz zu den US-Plänen stand, die Welt als einziger Hegemon zu beherrschen, eine Strategie, deren Grundideen später als „Neues Amerikanische Jahrhundert“ bezeichnet wurden.

Olof Palme wurde in Schweden und weltweit entweder geliebt oder gehasst. Ähnlich wie Dag Hammarskjöld besaß Palme im Übermaß, an was es beiden Supermächten so sehr mangelte – Integrität. Deshalb wurde er zum Ziel von machiavellistischen Machenschaften von Geheimdiensten der westlichen Welt.

Beider Leben und Wirken, Palmes und Hammarskjölds, wurde höchstwahrscheinlich durch politische Morde beendet. Wer das als Verschwörungstheorie bezeichnet, sollte bedenken, dass Michail Gorbatschow ein Anhänger dieser These ist. Sein geplantes Treffen mit Palme, mit dem große Erwartungen verbunden waren, wurde durch den Mord wenige Wochen zuvor verhindert. Gorbatschow sagte, dass er nicht an die Tat eines einsamen Irren glaube, sondern an einen politischen Mord von Akteuren, „die nicht wollen, dass es eine bessere Welt gibt.“

Durch eine Reihe von Interviews mit schwedischen Zeitzeugen ermöglicht Dirk Pohlmann einen umfassenden Einblick, was sich damals in Schweden abspielte, und welche Bedeutung die Ereignisse für die westliche Welt hatten. Die Geschehnisse müssen in ihrem geschichtlichen Umfeld betrachtet werden, sie haben Auswirkungen bis in die Gegenwart, nicht zuletzt, weil sich seit 2014 angeblich erneut feindliche U-Boote in schwedischen Gewässern herumtreiben. Diesmal sollen es russische U-Boote sein. Erneut ist die Cui Bono Frage zu stellen. Versucht Wladimir Putin, die neutralen Schweden in die NATO zu treiben?

Die schwedische U-Boote-Affäre war kein regionales Problem mit regionalen Auswirkungen. Sie war Teil eines Kampfes um die weltweite Vorherrschaft, eine Kampagne gegen die außenpolitischen Ideen der europäischen Sozialdemokratie und ihre damals machtvolle Zukunftsvision. Reagans Täuschungsoperationen waren Kernstück einer erfolgreichen Strategie der USA, zum weltweiten Hegemon aufzusteigen. Sie nutze militärische Special Operations Einheiten um mit Fake News eine den US-Interessen genehme mediale Realität zu produzieren. Weil diese Strategie so immens erfolgreich war, wurde sie zum Modell für weitere Operationen, beispielsweise in Libyen, der Ukraine und Syrien. Die erprobten Verfahren werden auch in Zukunft eingesetzt werden – bis ihre Effektivität erschöpft ist. Wenn viele Menschen die Täuschungsoperationen erkennen, ist ihre Wirksamkeit nicht mehr gewährleistet. Deswegen wird der Kampf um Vorherrschaft des medialen Diskurses weiter intensiviert.

Missing Link to Ola Frithiofson

In diesem KenFM-Interview spricht Dirk Pohlmann mit Ola Frithiofson über eine Zeit, in der sozialdemokratische Vorschläge für eine weltweite Entspannungspolitik den politischen Diskurs dominierten – in aller Welt. „Entspannung“ und „Wandel durch Annäherung“ waren die vorherrschenden Ideen der Außenpolitik in fortschrittlichen Kreisen, und das „schwedische Modell“ eines Sozialstaates, dessen hohe Steuern exzellente Dienstleistungen einer effektiven, korruptionsfreien Zivilgesellschaft finanzierten, standen in hohem Ansehen – oder wurden von neoliberalen Konservativen abgrundtief gehasst. Olof Palmes Schweden gewährte einen Ausblick auf die Möglichkeit eines dritten Weges zwischen Kapitalismus und Kommunismus. Das kleine Schweden war eine moralische Supermacht.

In der Ära der weltweiten US-Vorherrschaft von Ronald Reagan bis zu Donald Trump bedeutet die Beschäftigung mit der schwedischen Vergangenheit deshalb einen Ausblick in die Zukunft. Sie ist ein Weckruf insbesondere für Sozialdemokraten in Schweden, Österreich, Großbritannien und den USA (Bernie Sanders!). Der einzige Weg, der aus ihrem erbarmungswürdigen Elend hinausführt ist: „Zurück in die Zukunft“.

Ola Frithiofson war in seinen eigenen Worten „schon immer Sozialdemokrat und wird es immer bleiben“. Die Sozialdemokratie, von der er spricht ist aber nicht die moderne, stromlinienförmige, neoliberal beeinflusste eines Tony Blair oder Gerhard Schröder, sondern die eines Olof Palme, Willy Brandt und Egon Bahr.

In diesem Interview gibt Frithiofson dementsprechend nicht die üblichen wachsweichen Antworten eines Karrierepolitikers und scheut auch vor kontroversen Themen nicht zurück.

Frithiofson hat in verschiedenen Positionen für verschiedene schwedische sozialdemokratische Regierungen gearbeitet. In den frühen 80er Jahren war er der außenpolitische Sekretär der schwedischen Jusos. Damals stellte er die Verbindung zu Solidarnosc und Dissidenten in Polen her und berichtete über seine Aktivitäten direkt an Olof Palme.

Olof Palme stand damals auch in Polen für die Suche nach einem friedlichen, rationalen, freiheitlichen Sozialismus. Der schwedische Ministerpräsident hatte auch bei den Bürgerrechtlern des Ostblocks einen exzellenten Ruf.

Frithiofsons Vater war Unterstaatssekretär im Verteidigungsministerium und wusste über die eindringenden U-Boote aus erster Hand. Er sagte seinen beiden Söhnen bereits in den 80er Jahren, dass es sich um westliche, nicht um sowjetische U-Boote handelte.

Der Palme Mord, den sowohl Frithiofson als auch Pohlmann als einen politischen Mord einschätzen, aller Wahrscheinlichkeit nach in Planung und Ausführung eine westliche Deep State Operation, ist ständiger Hintergrund dieses Gesprächs.

Englische Übersetzung

The „swedish submarine incursions“ of the 80s have been called the greatest deception operation of all times.

During the reign of US president Ronald Reagan soviet submarines were allegedly intruding hundreds of times into the Swedish archipelago, training for war – while Olof Palme was trying to negotiate a „common security strategy“ with the Warsaw Pact.

Why the soviets should want to torpedo the detente-strategy of Olof Palme and Egon Bahr did not make any sense from a „cui bono“ perspective, but the western media in general and the Swedish in particular nevertheless reported in unison and regularly about soviet intrusions for more than 10 years. Rarely investigative journalists raised questions about the veracity of the story, those who did were silenced by a stream of comments about their allegedly crackpot conspiracy theories and by professional and personal consequences.

Now the evidence is piling up those sighted submarines (hundreds) were US, british and italian submarines – probably all of them. Not a single case is left where evidence points to soviet subs. On the contrary, now all evidence points to western subs.

The greatest „deception operation ever“ was all fake news, prepared by the CIA and a „deception operations committee“ of the Reagan administration, it´s staged events and fake news were transmitted eagerly by the „quality media“ for more than a decade.

If a reminder is needed how flimsy and dangerous the concept of „fact-checking fake news“ by means of „reliable quality media“ is, after the war-enabling Nayirah Kuwaiti incubator baby hoax in 1991 and the weapons of mass destruction hoax in Iraq 2003, the Swedish submarine deception should be taken into account as prime example.

It completely stalled Olof Palmes detente policy, which was in sharp contrast to Reagan´s confrontation strategy. The still unsolved murder of Olof Palme can not be understood without the submarine deception.

Olof Palme was loved and hated in Sweden and the rest of the world. Like Dag Hammarskjöld he possessed in abundance what the superpowers lacked so dearly -integrity- and became target of machiavellian intelligence operations against him.

Probably both cases ended with political murder. In the case of Palme e.g. Michail Gorbachev is convinced the murder was not committed by a lone lunatic, but by people who “didn´t want a better world.”

Through a series of interviews with Swedish witnesses Dirk Pohlmann provides a deeper understanding what happened in Sweden at that time. The events have to be analyzed in perspective, especially since there were new sightings of submarines in Swedish waters, in 2014 and 2015, now allegedly russian subs sent by Vladimir Putin – to frighten Sweden into the NATO.

The Swedish submarine crisis was not a regional event with regional effects, it was part of a struggle for world supremacy, a battle against the European social democracy and it´s then powerful vision for the future. It was a highly successful strategy for US world hegemony by deception and special operations. Because it was so enormously successful it is kept secret and became a model for similar operations, e.g. in Libya, Ukraine and Syria – and will be used ever more until it´s effectiveness is hampered by widespread recognition

Missing Link to Ola Frithiofson

In this interview with KenFM host Dirk Pohlmann Ola Frithiofson talks about a past in which social democratic ideas were formative for politics – worldwide. The concepts of “Détente” and “Change through Rapprochement” dominated discussions in progressive political circles, while the “Swedish Model” with high taxation and superb, corruption-free services for it´s citizens was a household name for those who loved it – or hated it. Olof Palmes Sweden had started to prove a third way between capitalism and communism was possible.

In the era from Ronald Reagan to Donald Trump talking about Swedens past is also providing an outlook, what social democrats from Sweden, Austria, Germany, Great Britain and the USA (Bernie Sanders!) should evaluate. The only way out of the current desperation is probably to track “Back to the Future”.

Ola Frithiofson, in his own words, “has always been a social democrat and will always be”. But what he calls social democracy is not the streamlined, neoliberal version of the British “new labour” or the german SPD, but the ideas of Olof Palme, Egon Bahr and Willy Brandt. In this interview Ola Frithiofson does not weasel away from tough questions and issues as it is so common with current career politicians.

Frithiofson has worked for several Swedish social democratic governments in various positions. In the early 80s he was the foreign affairs secretary of the swedish social democratic youth organization. He established contact to Solidarnosc and the dissidents in Poland and reported to Olof Palme about it. Olof Palme´s name meant a peaceful, rational way towards a socialism which deserves it´s name, also to the Polish population. The swedish prime minister had an excellent reputation in the dissident circles of the Warsaw Pact.

Frithiofson´s father was undersecretary of defence and had first hand knowledge about the submarine incursions. He told his two sons already in the 80s the submarines were western, not soviet.

The Palme murder, which both Frithiofson and Pohlmann consider a political murder with probable deep state planning and execution, it´s causes and effects are always present as a historical background in this interview.

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