Medien und Corona: „Geht lernen, Ihr Heuchler!“ | Von Tom J. Wellbrock (Podcast)

Da sind sie! Ganz plötzlich. Scheinbar aus dem Nichts tauchen kritische Medienberichte auf, die sich mit der Corona-Politik beschäftigen. Man könnte dieses Verhalten als „Investigativ-Falle“ bezeichnen. Oder als dummen Versuch, sich reinzuwaschen.

Ein Standpunkt von Tom J. Wellbrock.

Schauen wir uns also einmal die merkwürdige Wandlung unserer „Qualitätsmedien“ an. T-Online fragte Ende Mai 2021 besorgt (1): Waren die Corona-Lockdowns überflüssig? Später heißt es im Artikel:

Allein: War und ist der Lockdown nötig? Was bringt er wirklich? Diese Fragen zu stellen, war lange ein Tabu. Nur zu schnell galt als Corona-Skeptiker, wer etwa den Sinn von Laden- oder Kitaschließungen anzweifelte.

Und tatsächlich, so war und so ist es.
 Nur: Wer ist denn in erster Linie dafür verantwortlich, dass Menschen zu „Corona-Skeptikern“ oder gleich zu „Corona-Leugnern“ gemacht wurden, wenn sie sich kritisch äußerten oder Fragen stellten? Es war unter anderem T-Online, aber natürlich nicht nur T-Online. Nahezu alle anderen Mainstreammedien bliesen in dasselbe Horn und waren ganz schnell zur Stelle, wenn es darum ging, Corona-Leugner, Verschwörungstheoretiker, Nazis, Schwurbler und Antisemiten auszumachen.

Lockdowns? Ja, bitte, aber ein bisschen härter als das, was vorgesehen ist. Das war über 15 Monate (mehr oder weniger) der Tenor der Medien, schon fast ein Fetisch. Selbst politische Hardliner wirkten zuweilen so, als sei ihnen die Vehemenz der Medien nicht ganz geheuer. Von der Inkompetenz und der Bereitschaft, sich selbst zu bereichern, einmal abgesehen, war es längst nicht immer die Politik, die Maßnahmen noch strenger gestalteten, als nötig gewesen wäre. Es waren die Medien, die die Politik vor sich hergetrieben haben. Nicht umgekehrt.

Hier geht es nicht um die Entschuldigung der Politiker, die ein ganzes Land lahmgelegt haben, und die womöglich (wahrscheinlich) dafür nicht einmal zur Rechenschaft gezogen werden. In letzter Konsequenz hat die Politik zu verantworten, was sie angerichtet hat, egal, wer sie dabei wohlwollend begleitet hat oder unbequem im Weg stand. Das entlässt jedoch die Medien nicht aus ihrer Verantwortung.

Was stimmt nicht mit den Zahlen?

Anfang Juni 2021 (!) befasste sich das „ZDF-Morgenmagazin“ mit den Corona-Todesfallzahlen (2). Und kam zum Schluss, dass da womöglich etwas nicht stimmt. Das dazugehörige Video bekam den Titel: Ungereimtheiten bei den Corona-Zahlen – Experten kritisieren Statistik

Im Filmbeitrag stellt sich heraus, dass womöglich Menschen als „Corona-Tote“ aufgeführt wurden, die im Grunde gar keine waren. Da fragt man sich als Corona-Skeptiker der ersten Stunden: Wirklich? Was für eine Überraschung!

Auch die weiteren Fragen, die das „investigative“ ZDF stellt, sind zwar nicht neu, überraschen die Crew um Dunja Hayali aber offensichtlich sehr. Hayali gehörte übrigens zu den schlimmsten Hetzerinnen, die jede Corona-Demo als Ansammlung ganz schlimmer Demokratiefeinde und Corona-Leugner einordnete. Dass ausgerechnet das „Morgenmagazin“ jetzt die Fragen stellt, die Kritiker seit mehr als einem Jahr stellen, grenzt an eine Mischung aus Infantilität und Ignoranz.

Die Labor-Verschwörung

Wer vor einem Jahr laut darüber sinnierte, ob Corona vielleicht das Ergebnis von Laborversuchen ist, musste sich warm anziehen und ein möglichst schnelles Pferd besteigen. Denn er wurde ganz schnell als Trottel beschimpft, der zu viele schlechte Filme sieht oder sich von Schwurbler-Seiten im bösen Internet verführen lässt.

Heute sieht die Sache etwas anders aus. Und Ende Mai 2021 hat sich dann auch „ntv“ des Themas angenommen (3): Sars-CoV-2 in Wuhan kreiert? Weitere Studie erhärtet Laborunfall-Verdacht. Gleich in der Einführung heißt es dann:

Wie entstand der gefährliche Erreger Sars-CoV-2? Diese Frage beschäftigt seit fast anderthalb Jahren die Welt. Während die überwiegende Mehrheit in Wissenschaft und Politik davon ausgeht, dass das Virus auf natürliche Weise auf den Menschen übersprang, mehren sich die Stimmen, die an einen anderen Ursprung glauben.

Womit wir gleich wieder den ersten Fehler finden: Nein, nicht die ganze Welt hat sich mit der Frage nach einem Labor-Versuch beschäftigt. Das war lange Zeit verboten, und wer es doch versuchte, war schneller ein Schwurbler, als ein Lämmlein mit dem Schwanz wackeln kann.

Der Text von „ntv“ offenbart aber einmal mehr die unseriöse und oberflächliche Arbeit der Medien. Man erkennt das unmissverständlich am letzten Absatz des Artikels:

Die US-Geheimdienste sollen nun Präsident Biden binnen drei Monaten einen neuen Bericht zu der Frage vorlegen, ob der Ausbruch der Pandemie auf eine Übertragung des Virus von Tier zu Mensch zurückgehe oder auf einen Laborunfall. Bei den US-Geheimdiensten herrsche derzeit Uneinigkeit in der Frage, welches Szenario wahrscheinlicher sei, erklärte das Staatsoberhaupt am Mittwoch.

Sind die US-Geheimdienste eine sichere und seriöse Quelle? Nein, sie lügen als oberste Aufgabenstellung. Ist Biden es? Wohl kaum. Zudem: Selbst wenn das Virus aus dem Labor in Wuhan kam, bedeutet das nicht zwingend, dass die Chinesen dafür verantwortlich sein müssen. Es reicht in diesem Fall sogar die Wikipedia zu bemühen (4), um festzustellen, dass die USA ihre Finger tief im Wuhan-Salat haben.

Und sonst so, liebe Medien?

Schön wäre es ja, wenn die hier genannten drei Beispiele nicht repräsentativ für die Wendehals-Mentalität vieler Medien wären. Aber dem ist bekanntlich nicht so. Vielmehr war es eine überwältigende Mehrheit von Medien, die flugs zur Stelle waren, um jede Regierungsmeldung in die weite Welt hinauszupusten und daran geäußerte Kritik als Schwurbelei einiger Hohlköpfe abzutun.

Die jetzt scheinbare Abkehr von diesem hochgradig manipulativen und hetzerischen Journalismus ist übrigens ganz sicher kein Zeichen von Einsicht oder einer kritischen Selbstreflexion. Es geht eher darum, den eigenen Medienkopf zu retten und jetzt noch schnell auf den Zug der seriösen und kritischen Berichterstattung aufzuspringen.

Doch die Verantwortung der Medien lässt sich nicht einfach vom Tisch wischen, selbst wenn zu befürchten ist, dass auch in diesem Fall – ähnlich wie in der Politik – niemand zur Rechenschaft gezogen wird. Die Medien haben ihren Anteil am Leid der Kinder, an wirtschaftlichen Desastern, an Insolvenzen, Suiziden, einsamen Toden alter Menschen, an Gewalt in Familien, Suchtproblemen, einer nahezu ausradierten Kunst- und Kulturlandschaft, sogar am weltweit zunehmenden Hunger durch die Corona-Politik und vielem mehr.

Sie wollen es wohl, aber sie können diese Verantwortung jetzt nicht einfach wegschreiben, wiedergutmachen. Es ist wie mit dem Tisch im Restaurant, der einmal nicht besetzt werden kann. Wie viele Kunden später auch immer an diesem Tisch Platz nehmen, niemand von ihnen kann den ehemals durch Befehl angeordneten leeren Tisch wieder füllen. Der Umsatz ist weg und kann nicht wieder zurückgeholt werden.

Lauterbach wird leiser

Ohne jeden Zweifel war und ist der größte Pandemietreiber Karl Lauterbach. „Corona-Karl“ wurde nicht müde, seine steilen (und oft absurden) Thesen unters Volk zu bringen. Natürlich auch und vor allem unter Mithilfe der Medien. Als der Witz kursierte, Lauterbach sei zu Markus Lanz ins Studio gezogen, war das so lustig nun auch wieder nicht, denn man konnte diesen Eindruck tatsächlich bekommen.

Es ist bezeichnend, dass ausgerechnet die BILD-Zeitung Lauterbach kürzlich ins Kreuzverhör genommen hat (5). Es tut mir beinahe körperlich weh, aber es war nun einmal die BILD-Zeitung, die zumindest zwischendurch immer wieder durch kritische Berichte auffiel (6):

BILD bittet alle Kinder um Verzeihung!

Das Blatt wäre wohl vor zwei Jahren das letzte gewesen, dem man eine solche Überschrift zugetraut hätte. Selbstverständlich arbeitet die BILD immer nach Kalkül, und dieser kurze Text hat sicherlich das gewünschte Ziel erreicht. Aber in Anbetracht der Tatsache, dass ansonsten medial und politisch das Kinderwohl seit 15 Monaten faktisch keine Rolle spielt, muss man eben nehmen, was man kriegen kann.

Und wer sich das Video ansieht, wird feststellen, dass Karl Lauterbach sich, wenn er denn wirklich mal unter Druck gesetzt wird, in Widersprüchen verstrickt, die schon fast zum Fremdschämen sind. Nichtsdestotrotz ist Lauterbach ein kleines Licht, das allerdings von allen möglichen Seiten angestrahlt wird, wodurch er im Laufe eines Jahres von einem unbedeutenden Politiker zum „Gesundheitsexperten“ der SPD wurde.

Wenn ich mir vorstelle, mit meinem Schreibstil plötzlich mit Hermann Hesse auf eine Ebene gehoben zu werden, kann ich mir schon vorstellen, dass das etwas mit einem macht. Die Pandemie, die zu dieser Ehre führen würde, müsste aber in meinem Fall erst erfunden oder in einem Labor entwickelt werden. Da hatte Karl Lauterbach es besser.

Die letzten Entscheidungen wurden aber von anderen getroffen, von der Kanzlerin und ihren Komplizen. Lauterbach hat strenge Regeln befeuert, aber die Medien haben ihm ziemlich kritiklos die Bühne dafür zur Verfügung gestellt.

Geht lernen, Ihr Heuchler!

Was bleibt am Ende als Zwischenbilanz übrig, wenn wir über die Medien sprechen? Sie haben versagt, und zwar nahezu auf ganzer Linie. Sie haben Kritik vermissen lassen, haben schlampig oder gar nicht recherchiert. Sie haben Hetzjagden betrieben, die die trafen, denen man in vielen Fällen im Nachhinein Recht geben muss. Sie waren starr und bewegungslos, haben zu keinem Zeitpunkt eine Entwicklung gezeigt, und wenn, dann eine erschreckende und undifferenzierte.

Sie haben nicht deeskaliert, sondern eskaliert, und zwar ohne Unterlass. Sie haben den von Merkel auserwählten Wissenschaftlern nach dem Wort geredet, andere Stimmen ignoriert und/oder diffamiert, sie haben in keinster Weise zu einem konstruktiven Verlauf beigetragen, und wenn sie die Politik kritisiert haben (was sehr oft vorkam), dann immer, um die Botschaft zu transportieren: Länger. Härter. Strenger.

Eigentlich gehört der größte Teil unserer sogenannten Qualitätsmedien für ein paar Jahre auf die „stille Treppe“, wo sie sich einmal ein paar Gedanken machen können, wie man seriösen Journalismus betreibt. Frühestens nach einem Jahr gibt es dann abends mal ein Eis, nach zwei Jahren einen PC, aber bis zum dritten Jahr ohne Tastatur.

Es wird natürlich anders kommen. Und gnade uns Gott (oder wer auch immer), wie die schreibende und talkshowende Journalistenzunft mit der nächsten Krise umgehen wird.

Quellen:

  1. https://www.t-online.de/finanzen/news/unternehmen-verbraucher/id_90111982/waren-die-corona-lockdowns-in-deutschland-ueberfluessig-neue-studie.html?fbclid=IwAR11848nBYuUICeWFKk3TvKWII7MiYs4HvvCP-rCYerkcYePrwLWY2EjLys
  2. https://www.zdf.de/nachrichten/zdf-morgenmagazin/ungereimtheiten-statistiken-corona-zahlen-tote-100.html?fbclid=IwAR3sxOk4XRcm9LwBGmO7DvKopljHSby1Ks8xXMkCEnkJKUw3zXWCUrN81pw
  3. https://www.n-tv.de/wissen/Weitere-Studie-erhaertet-Laborunfall-Verdacht-article22584496.html
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Institut_f%C3%BCr_Virologie_Wuhan#:~:text=Die%20US%2DGesundheitsbeh%C3%B6rde%20National%20Institutes,Control%20and%20Prevention%20(WHCDC)
  5. https://www.youtube.com/watch?v=Z_OiAXHoYH0
  6. https://www.bild.de/politik/inland/politik-inland/weil-die-bundesregierung-es-nicht-macht-bild-bittet-kinder-um-verzeihung-76535200.bild.html

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Dieser Beitrag erschien am 05. Juni 2021 auf dem Blog der Neulandrebellen

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle: Photo Kozyr / shutterstock

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