Klaus Lederer – Au weia!

Ein Kommentar von Dirk Pohlmann.

Der Sachverhalt ist klar: Klaus Lederer will verhindern, dass Ken Jebsen den Karlspreis der Neuen Rheinischen Zeitung am 14. Dezember 2017 im Kino Babylon erhält.

Wenn sich die Linkspartei nach diesem tiefen Griff ins Klo (dem wievielten?) keine Gedanken über eine Alternativverwendung von Klaus Lederer macht (Gärtner? Fuhrpark? Nachtwache?), weil er wiederholt bewiesen hat, dass er für Führungsaufgaben ausschließlich bei Ein-Mann-Expeditionen in malariaverseuchtem Gebiet geeignet ist – dann weiß ich auch nicht.

Zum ersten mangelt es ihm an einer politischen Basisqualifikation, der Freund-Feind-Erkennung. Lederer taucht leider zuverlässig mit seinem Flammenwerfer auf der falschen Seite der Barrikade auf und richtet übles Gemetzel an. Er schnäbelt mit NATO Positionen. Er zeigt Feigheit vor dem Feind und Grausamkeit beim Umgang mit politischen Freunden. Er wäre in der Weimarer Republik wahrscheinlich Mitglied eines Freikorps und würde die Schergen unterstützen, die Rosa Luxemburg in den Landwehrkanal werfen, statt sie zu retten.

Dafür ist er zwar vom Wähler abgestraft worden, aber nicht von seiner Partei. Ehrt sie das?

Lederer begreift nicht, so wie leider ziemlich viele Menschen der Linken, dass Ken Jebsen eines ganz sicher nicht ist: rechts. Das qualifiziert diese Personen als politische Blindgänger und intellektuelle Faultiere.

Lederer reiht sich folgerichtig ebenfalls in den Chor der „Ken Jebsen ist ein antisemitischer Verschwörungstheoretiker“ Fraktion ein.

Das ist erstmal sehr schlechtes Benehmen. Man bezeichnet bitte niemand als Antisemiten, nur weil es ein sehr wirksames Argument ist, um einen politischen Gegner zu diffamieren und diskreditieren. Ich habe dazu eine private, fundierte Meinung, weil ich mittlerweile lange und viel mit Ken Jebsen geredet habe und deshalb den Vorwurf für absurd halte. So absurd, als würde man eine Kaffeetasse als antisemitisch bezeichnen. Genauer gesagt: Ken Jebsen hat wesensmäßige Verbindung zum Kaffee, aber keine zum Antisemitismus. Das ist einfach keine zutreffende Charakterisierung.

Falls man sich wieder mal vor irgendwelchen Schergen in Deutschland verstecken muss, was passieren könnte, falls Lederer Innenminister werden sollte, dann rate ich Widerstandskämpfern auf der Flucht, bei Jebsen zu klingeln. Ich bin sicher, er würde jemanden verstecken. Bei Lederer bin ich mir nicht so sicher, was passieren würde, wenn z.B. Markus Söder Innenminister wäre und die Hatz auf Linke eröffnet würde. Na gut, das stimmt nicht. Ich bin mir sicher, ich weiß, was passieren würde.

Also, Klaus Lederer, hören Sie auf, Ken Jebsen zu diffamieren. Ich behaupte ja auch nicht, dass sie öfter mit einer Tafel Schokolade vor einem katholischen Kindergarten gesichtet wurden, nur weil Päderast so ein widerlicher Vorwurf ist und gleichzeitig ein wirksames Mittel, um eine Person zu denunzieren, die man politisch endlagern will. Was ich bei Ihnen, zugegeben, für angebracht hielte.

Weil sie außerdem eine Gesinnung an den Tag legen, die bemitleidenswert ist – und politisch zersetzend.

Sie haben das mit der Meinungsfreiheit und Ausdrucksfreiheit überhaupt nicht verstanden. Das sind nicht nur sehr hoch stehende Grundrechte, es sind bei ihrer Position als Kultursenator essentielle Grundrechte, die keinesfalls beschädigt werden dürfen. „Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden“. Das ist ein kluger Satz der sehr ehrenwerten Rosa Luxemburg. Zwei gute Eigenschaften, zu denen sie „den Fetisch der größtmöglichen Distanz“ beweisen.

Schauen Sie ruhig mal nach, von wem dieser Begriff in welchem Zusammenhang benutzt wurde, es lohnt sich.

Was Sie unbedingt intellektuell verstehen und fühlen müssen: Meinungsfreiheit ist kein Grundwert, den man zähneknirschend dem politischen Gegner zugesteht. Es ist die Essenz des öffentlichen, kritischen Diskurses, mit dem eine echte Demokratie sich ständig selbst repariert und reformiert. Meinungsfreiheit ist die unverzichtbare Grundlage der Demokratie.

Wir sollten Meinungsfreiheit nicht nur achten und zugestehen, sondern sie lieben. Wir sollten niemanden, hören Sie: niemanden, nicht einmal die NPD verbieten. Auch nicht die KPD. Oder die AfD. Ein Verbot mag für den jeweiligen politischen Gegner verlockend sein, aber es zerstört die Grundlage, auf der ein rechtschaffenes Gemeinwesen aufgebaut ist. Sie müssen deswegen die NPD nicht lieben. Sie dürfen sie hassen und bekämpfen. Aber nur mit Mitteln des Meinungskampfes.

Und sie müssen die Meinungsfreiheit/Ausdrucksfreiheit lieben. Herrgott, ein kluger Konservativer wie DeGaulle sagte auf das Ansinnen seiner politischen Feinde, Jean Paul Sartre juristisch dafür zu bestrafen, dass er sich z.B. mit Andreas Baader traf: „Man wirft Voltaire nicht ins Gefängnis.“ Wegen dieser Einstellung habe ich großen Respekt vor DeGaulle. Ich wünschte, ich könnte das gleiche über Sie sagen.

Leider traue ich Ihnen noch mehr zu als dass sie die Meinungsfreiheit nicht lieben. Ich befürchte, sie würden KenFM auch noch gerne verbieten.

Liebten Sie Ausdrucksfreiheit und die Freiheit an sich, würde es ihnen nicht schwerfallen, ihre dumme und falsche Entscheidung zurückzunehmen.

Damit würden Sie wieder in den wählbaren Bereich der Linkspartei zurückmanövrieren. Ich würde Sie trotzdem nicht wählen, siehe oben. Aber vielleicht würden es andere tun.

Aber wenn sie nicht zurückrudern und ihre Partei nicht auf ihre Fehlleistung reagiert, dann frage ich mich schon, wes Geistes Kind diese Partei ist. Rosa Luxemburgs jedenfalls nicht.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung.

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