Enthüllt: Saudi-Arabiens 2-Milliarden-Dollar-Mordauftrag (Teil II)

So viel wollte der saudische Prinz Mohammed bin Salman sich die Ermordung der führenden Köpfe der iranischen Führung kosten lassen, berichtete jetzt die New York Times. Sogar der Chef der berüchtigtsten US-Söldnertruppe war mit von der Partie und wollte 2016 Trumps Übergangsteam im Weißen Haus für das saudische Mordkomplott gewinnen.

von Rainer Rupp.

Es waren auch Nader und Zamel, die den Ex-Blackwater Chef Erik Prince anheuerten, um den Mordplan dem Trump-Übergangsteam schmackhaft zu machen. Prince wiederum nutzte die Gunst der Stunde, um den potenziellen Auftraggebern der Saudis und der VAE seine eigenen paramilitärischen Vorschläge gegen Iran näherzubringen. Bei einem Treffen im Mandarin Oriental Hotel in New York zwischen Zamel, Nader und General al-Assiri mit seinen Beratern zeigten die Saudis zwar Interesse an dem von Prince fertig ausgearbeiteten Plan gegen Iran, aber im letzten Moment bekamen sie dann doch kalte Füße.

Laut NYT sei das Vorhaben dermaßen provokativ und für die ganze Region potentiell destabilisierend gewesen, dass die Saudis die Sache nicht ohne die politische Zustimmung der neuen Trump-Regierung durchführen wollten. Aber anscheinend blieb das grüne Licht vom Weißen Haus aus. Stattdessen hat mittlerweile die CIA unter eigener Kontrolle im Iran einen verdeckten Terrorkrieg zur Destabilisierung der dortigen politischen Führung begonnen.

Dieser Angriff wird kombiniert mit einem öffentlichen Wirtschaftskrieg, bei dem Washington auch dem Rest der Welt die Befolgung seiner einseitig gegen Teheran verhängten, scharfen Wirtschaftsboykottmaßnahmen aufzwingen will. Damit aber sind die USA nicht nur auf Konfrontationskurs zu Russland und China sondern auch zur EU gegangen.

Aber zurück zu den ehrgeizigen, saudischen Mordplänen. Es ist klar, dass sie als Ganzes nicht in Marsch gesetzt wurden. Allerdings deuten die Enthüllungen vor einem Monat über eine lange Serie von politisch motivierten Auftragsmorden im Jemen darauf hin, dass Teile des saudischen Mord-Konzepts dennoch bereits in die Tat umgesetzt worden sind, was bei politischen Analysten – aber nicht bei unseren Mainstream Medien – wie eine Bombe eingeschlug.

Am 16. Oktober berichtete die Nachrichtenwebseite BuzzFeed News exklusiv, dass eine US-amerikanische „Sicherheits“firma mit den Namen „Spear Operations Group“ ehemalige US-Kommando-Soldaten, (Green Beret, Navy SEAL und ehemalige paramilitärische CIA-Kämpfer) seit Jahren angeheuert hat. Diese erfahrene Killertruppe diente dann in kleinen Gruppen dem de-facto-Herrscher der Vereinigten Arabischen Emirate, nämlich dem Kronprinzen Mohammed bin Zayed Al Nahyan (MbZ) als „privates Mordkommando” im Jemen.

Laut BuzzFeed schickten die Vereinigten Arabischen Emirate ab 2015 Gruppen von etwa einem Dutzend überwiegend amerikanischer Söldner nach Jemen, um dort gezielte Tötungen von prominenten Klerikern und politischen Persönlichkeiten durchzuführen. Der Grund ihrer Ermordung war stets, dass sie sich in dem kriegszerstörten Land mit Kronprinz MbZ überworfen hatten. Das Militär der Emirate hat bisher – neben den Saudis – eine Hauptrolle in dem andauernden Bombenkrieg im Jemen gespielt, der sich hauptsächlich gegen die Zivilbevölkerung richtet. Die Söldner-Killerkommandos von MbZ haben laut BuzzFeed über die Befehlskette der VAE-Militärs im Jemen ihre aktiven Ziel- bzw. Todeslisten erhalten.

Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass der oben bereits erwähnte saudische Geheimdienstgeneral Ahmed al-Assiri, der in den jüngsten NYT-Enthüllungen als Schlüsselfigur für die Planung der anti-iranischen Mordkommandos identifiziert wurde, zu dieser Zeit (2015+) auch für die saudischen Geheimdienstoperationen im Jemen verantwortlich war.

Und nicht zuletzt ist es hier erwähnenswert, dass al-Assiri später zu einem der engsten Vertrauten von Prinz MbS aufgestiegen war und in dieser Funktion mit der Durchführung des Mordes an Khashoggi beauftragt worden war. Wegen seiner Beteiligung am Mord (anscheinend nur ein leichtes Vergehen) ist al-Assiri inzwischen aus dem Dienst entlassen worden. Wahrscheinlich aber liegt der Grund für seine Verabschiedung lediglich wie üblich in der Tatsache, dass er sich hat erwischen lassen.

Letztlich zeigen diese Vorfälle, welch Geistes Kinder die führenden Köpfe in Saudi-Arabien und den VAE sind. Laut Kanzlerin Merkel ist Saudi-Arabien sogar Deutschlands strategischer Partner. Und Deutschlands Außenminister Maas entschuldigte sich im Namen Deutschlands für die zutreffenden Worte seines Vorgängers und SPD-Genossen Sigmar Gabriel, der im November 2017 im Zusammenhang mit der „brandgefährlichen Entwicklung im Libanon“ das „politische Abenteurertum“ in der Region angeprangert hatte, leider – selbst er – ohne Saudi-Arabien direkt beim Namen zu nennen.

Aber die eitlen Feudalherren hatten es trotzdem verstanden und waren beleidigt. Das sollte sich bald ändern, denn ewig lockt das saudische Geld und Berlin gab klein bei. „Wir bedauern aufrichtig“, dass Kommunikation und Engagement der Bundesregierung gegenüber Riad nicht klarer gewesen und ‚Missverständnisse‘ entstanden sind, sagte Maas Ende September 2018 bei einem Treffen mit seinem saudischen Kollegen Adel al-Dschubeir in New York. Das wurde von den saudischen Medien als „Sieg über Deutschland“ gefeiert.

Vor diesem Hintergrund glauben die sich allmächtig dünkenden Prinzen wie MbS und MbZ, sie können sich alles erlauben. Und das können sie wahrscheinlich auch. Wenn man seit drei Jahren Völkermord in Jemen begeht und der doch stets soooo humanitär besorgte, mächtige Westen schweigt und stattdessen vor den saudischen Milliarden katzbuckelt, da müssen Pläne zur Ermordung der iranischen Führung dem Prinzen gar nicht so realitätsfern vorgekommen sein. Und erst recht muss der Mordauftrag zur Beseitigung des unliebsamen Journalisten Khashoggi samt Zerstückelung und Entsorgung der Leiche MbS wie eine nicht weiter erwähnenswerte Nebensache vorgekommen sein.

Die Aussichten für Saudi-Arabien mit MbS an der Spitze fasste die Süddeutsche Zeitung im Oktober treffend wie folgt zusammen:

„Für Saudi-Arabien heißt das nichts Gutes, denn dieser Mann ist ebenso unerfahren wie unberechenbar, impulsiv – und ja – gefährlich. Er stolpert außen- und sicherheitspolitisch seit seinem Aufstieg zum Verteidigungsminister von einem Desaster ins nächste. Der Jemen-Krieg, die Blockade des Nachbarlandes Katar, der Versuch, den libanesischen Premier Saad al-Hariri zum Rücktritt zu zwingen, die Reihe ließe sich fortsetzen“.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei RT-Deutsch.

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