Eine Sache des Vertrauens: Die da oben werden doch wohl nicht die Gesellschaft mutwillig zerstören?

Von Hermann Ploppa.

Selbstverständlich.

Als die Bundesregierung im letzten Frühjahr eine nationale Gefahrenlage wegen der aus China kommenden Corona-Pandemie ausrief und zu verstärkten Vorkehrungen gegen Infektionen aufforderte, da haben meine Frau und ich auch sofort Sagrotan gekauft. Wir haben uns öfter als sonst die Hände gewaschen. Wir haben Türgriffe und ähnliche von vielen Menschen berührte Gegenstände öfter als sonst abgeputzt. Es versteht sich von selbst, dass man als loyaler Staatsbürger eine solche Gefahrenansage erst einmal ernst nimmt und im eigenen Leben entsprechend umsetzt.

Allerdings wurden die Beschränkungen immer umfassender und die Begründungen für diese Freiheitseinschränkungen immer hanebüchener. Irgendwann war es für den logischen Verstand nicht mehr länger zu ertragen, was uns die Bundesregierung und die ihr unterworfenen Länderchefs als Erklärungen da so zumuteten. Und wir haben es uns nicht einfach gemacht, von unserem basalen Grundvertrauen in die Vernunft der politischen Kaste Abschied zu nehmen. Wenn man auch vieles, was diese Politiker uns da schon seit Jahren auftischten, für grundfalsch gehalten hat: wir haben doch kategorisch ausgeschlossen, dass dieses System sich mal eben selber mit Feuereifer vernichtet. Aber mittlerweile verschlägt es einem die Sprache, wenn man der täglichen Auktion der Zerstörungswut zuschauen muss. Lauterbach, Söder und jetzt Ramelow rufen uns fiebertrunken zu: wollt Ihr den totalen Lockdown? Wollt Ihr ihn, wenn nötig, noch radikaler, noch mehr gegen Null, als wir es uns bislang vorstellen konnten? Folgen die oben genannten Jünger der real existierenden Sekte des Destruktionismus dem großen Vorsitzenden Pol Pot, der die Bürger Kambodschas aus den Städten deportierte und alle Brillenträger als vermeintliche Intellektuelle liquidieren ließ?

Es fällt schwer, das alles für real zu nehmen, und dann auf die immer noch anhaltende exponentielle Beschleunigung der Zerstörungsphantasien bei unseren Eliten zu antworten. Und wenn dann doch der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer, der keine Gelegenheit auslässt, überregional bemerkt zu werden, jetzt was Vernünftiges sagt, dann beschließen die Apparatschiks seiner Grünen Partei sofort Palmers Exkommunikation aus der politischen Maschine. Palmers Vergehen: er hat gesagt, dass es jetzt reicht mit der Zwangsschließung der Einzelhandelsgeschäfte. Dass der Einzelhandel sich im Koma befindet und die Innenstädte bald veröden werden.

Zu glauben, dass diese unsere Elite nichts weniger vorhat als die Vernichtung des mittelständischen Gewerbes, das fällt schwer. Aber aus nunmehr fast einem Jahr Corona-Missmanagement lässt sich beim besten Willen keine andere Schlussfolgerung ziehen. Als die zerlumpten, angekränkelten spanischen Conquistadoren um Pizarro die indigenen Hochkulturen im Spaziergang vernichteten, lag das unter anderem daran, dass die Indigenen gar keine richtige Vorstellung davon hatten, was die europäischen Raubritter eigentlich bei ihnen und von ihnen wollten. Und dass sich die Indigenen ein solches Ausmaß von Charakterlosigkeit und Raffgier nicht vorstellen konnten. Die Raubritter, die uns gerade an die Gurgel gehen, zehren vom Vertrauen der Regierten in die Vernunft der Regierenden. Der amerikanische Soziologe Robert Putnam prägte den Begriff des sozialen Kapitals. Eine Gesellschaft funktioniert umso effektiver und kostengünstiger, je mehr die Bürger untereinander und im Umgang mit Behörden und anderen Institutionen vertrauensvoll zusammenwirken. Das hat bei uns viele Jahrzehnte funktioniert.

Dass das mühsam geschaffene soziale Kapital gerade jetzt mit einem vollkommen geistesgestörten Furor zerschlagen wird, fällt auch mir schwer für wahr anzunehmen. Die wollen doch Geld verdienen, oder etwa nicht? Offenbar gilt das aber jetzt gerade nicht. Um wieviel schwerer fällt dieses schmerzhafte Erwachen rechtschaffenen Bürgern, die als Mittelständler ihren Beitrag zum sozialen Kapital beigetragen haben. Die davon ausgehen, dass ihr Beitrag zum Gelingen des sozialen Miteinanders von den Mächtigen auch honoriert wird. Das ist ein Schock-Effekt: zu realisieren, dass eine kaum sichtbare Elite nichts weniger vorhat als die Vernichtung des gesellschaftlichen Mittelbaus.

Aber: die Uhr läuft. Mit jedem Tag werden die Chancen geringer, noch in geordneter Form die Substanz unserer Sozialarchitektur zu retten. Mit jedem Tag sind die modernen Raubritter mehr im Vorteil. Mit jedem Tag geraten immer mehr Menschen in dieser Gesellschaft in massive Notlage, aus der es kein Entrinnen mehr geben kann. Ist erst einmal das Schiff am Kentern, und hundert Leute schwimmen zu den Rettungsbooten, das aber nur zwanzig Personen Platz bietet, dann wird es nur noch Hauen und Stechen geben.

Schon malt Bayerns Ministerpräsident Söder in freudiger Erwartung eine militante Opposition gegen das Corona-Regime an die Wand, die dem perspektivlosen Terrorismus im Stil der Roten Armee Fraktion huldigt. Bei dem jetzigen politischen Anschwärzungsmechanismus entsprechend also einer „Braunen Armee Fraktion“ (BAF). Das würde den Raubrittern sehr gelegen kommen. Das muss verhindert werden. Nehmen wir den real existierenden Destruktionismus bitte endlich als tödliche Gefahr ernst und handeln wir entsprechend. Das bedeutet: Handeln wir friedvoll und absolut sozial intelligent. Vernetzen wir uns. Halten wir es mit den Bremer Stadtmusikanten: Was Besseres als den Tod findest Du immer!

Aber fangt JETZT an!

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung

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Dieser Artikel erschien zuerst im Januar 2021 bei der Wochenzeitung Demokratischer Widerstand

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Bildquelle: Gabriel Resende / shutterstock

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