Die USA wollen Russland besiegen oder es ruinieren

Der Herausgeber der NachDenkSeiten, Albrecht Müller, hat in einem Interview Stellung zur Aggressionspolitik der USA genommen

von Wolfgang Bittner.

Albrecht Müller hat Sputniknews ein bemerkenswertes Interview gegeben.(1) Darin spricht er unter anderem von Kräften in den USA, die schon seit Jahren wieder auf eine Konfrontation mit Russland hinarbeiten, und zwar mit dem Fernziel, „dass man dieses Russland nicht nur demütigt, sondern es besiegt oder dort einen Regimechange bewirkt…“ Dafür gibt es zahlreiche Belege.

Zum Beispiel deutete der ehemalige US-Außenminister Henry Kissinger am 2. Februar 2014 in einem CNN-Interview an, dass der Regime Change in Kiew sozusagen die Generalprobe für das sei, „was wir in Moskau tun möchten“.(1)

Besonders aufschlussreich sind die Äußerungen des US-Vizepräsidenten Joe Biden vom 2. Oktober 2014 zu den Wirtschaftssanktionen gegen Russland. An der Harvard Kennedy School in Cambridge/Massachusetts renommierte er:

Wir haben Putin vor die einfache Wahl gestellt: Respektieren Sie die Souveränität der Ukraine oder Sie werden sich zunehmenden Konsequenzen gegenübersehen. Dadurch waren wir in der Lage, die größten entwickelten Staaten der Welt dazu zu bringen, Russland echte Kosten aufzuerlegen. Es ist wahr, dass sie [die EU] das nicht tun wollten. Aber wiederum war es die Führungsrolle Amerikas und die Tatsache, dass der Präsident der Vereinigten Staaten darauf bestanden hat, ja, Europa des Öfteren in Verlegenheit bringen musste, um es dazu zu zwingen, sich aufzuraffen und wirtschaftliche Nachteile einzustecken, um Kosten [für Russland] verursachen zu können. Und die Folgen waren eine massive Kapitalflucht aus Russland, ein regelrechtes Einfrieren von ausländischen Direktinvestitionen, der Rubel auf einem historischen Tiefststand gegenüber dem Dollar, und die russische Wirtschaft an der Kippe zu einer Rezession.“(2)

Dass auch der so nett auf leisen Sohlen daherkommende Ex-Präsident Barack Obama die Politik eines hegemonialen Anspruchs rigoros unter Missachtung der Regeln des internationalen Rechts vertrat, zeigt sich in einem Interview, das er am 11. Februar 2016 dem US-Fernsehsender VOX gab:

Wir brauchen das stärkste Militär der Welt und müssen gelegentlich den Arm von Ländern umdrehen, die nicht das tun, was wir von ihnen wollen. Wenn es nicht die verschiedenen wirtschaftlichen oder diplomatischen oder, in einigen Fällen, militärischen Druckmittel gäbe, die wir haben, wenn wir diese Dosis Realismus nicht hätten, würden wir auch nichts erledigt bekommen … die amerikanische Führung kommt teilweise aus unserer Anpackmentalität. Wir sind das größte, mächtigste Land der Erde … wir haben niemanden Ebenbürtiges im Sinne von Staaten, die die Vereinigten Staaten angreifen oder provozieren könnten.“(3)

In einer Rede vor der US-Militärakademie Westpoint am 28. Mai 2014 sagte Obama:

„Von Europas bis Asien sind wir der Dreh- und Angelpunkt aller Allianzen, unübertroffen in der Geschichte der Nationen … so sind und bleiben die Vereinigten Staaten die einzige unverzichtbare Nation [‚the one indispensable Nation‘]. Dies ist für das vergangene Jahrhundert wahr gewesen und das wird für das nächste Jahrhundert gelten.“(4)

Wenn wir diese Hybris wie auch die Aussagen von Henry Kissinger, Joe Biden oder von Zbigniew Brzezinski (Eurasien als „Schachbrett“ für die USA (5)) zur Kenntnis nehmen, brauchen wir uns über nichts mehr zu wundern. Wie auch Albrecht Müller schon gesagt hat, befinden wir uns seit dem Putsch in Kiew und der massiven Aufrüstung der Anrainerstaaten Russlands in einem Zustand akuter Kriegsgefahr. Die führenden europäischen Politiker machen das zum Nachteil ihrer Länder und deren Bevölkerung mit, unterstützt von den Leitmedien, die schon lange nicht mehr ihrer Aufgabe als „Vierte Gewalt im Staate“ nachkommen.

Demgegenüber sagte Donald Trump in einem Interview mit der New York Times am 23. November 2016, dass er mit Russland gut auskommen wolle und er den Eindruck habe, dass auch Russland mit den USA gut auskommen wolle: „Wäre es nicht schön, wenn wir gut mit Russland auskämen…“(6) Das war eine der Kernaussagen Trumps. Aber was ist daraus geworden? Inwieweit konnte sich Trump in dieser Frage bisher gegen die massiven Widerstände durchsetzen, inwieweit hat er sich anpassen müssen? Das ist eine entscheidende Frage.

Noch in seiner Antrittsrede am 20. Januar 2017 schrieb Donald Trump den anwesenden und auch den aus Protest nicht zur Vereidigung erschienenen Machteliten ins Stammbuch:

„Zu lange hat eine kleine Gruppe hier, in der Hauptstadt unseres Landes, die Früchte eingefahren, während die Menschen da draußen dafür bezahlt haben. Washington ging es gut, aber die Menschen konnten an diesem Wohlstand nicht teilhaben; den Politikern ging es gut, aber die Arbeitsplätze wanderten ab und die Fabriken wurden geschlossen. Das Establishment hat sich nur selbst geschützt, aber nicht die Bürger unseres Landes. Ihre Siege waren nicht die Siege des Volkes, ihre Siege waren nicht eure Siege. Während sie hier gefeiert haben, in der Hauptstadt eures Landes, gab es für ganz viele Familien da draußen im ganzen Land wenig zu feiern. Das alles ändert sich gerade hier und jetzt.“(7) Besondere Aufmerksamkeit verdiente Trumps Ankündigung, das „amerikanische Massaker“ zu beenden, und er fuhr fort: „Wir werden die Freundschaft und das Wohlwollen aller Nationen auf der Welt suchen…“

Kein Wunder, dass der US-Präsident Donald Trump nach dieser Rede zum Staatsfeind Nr. 1 wurde. Es sieht so aus, dass er verloren hat.

Der Schriftsteller und Jurist Dr. jur. Wolfgang Bittner lebt in Göttingen. Im Juni 2017 erschien von ihm im Westend Verlag eine überarbeitete und um 111 Seiten erweiterte Neuausgabe seines Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“ https://www.westendverlag.de/buch/die-eroberung-europas-durch-die-usa-2/.

Siehe auch KenFM im Gespräch mit Wolfgang Bittner

Quellenangaben

(1) Albrecht Müller, Anti-Trump-Buch mit Fernziel Regimechange in Moskau?, https://de.sputniknews.com/politik/20171122318404176-anti-trump-buch-mit-fernziel-regimechange-in-moskau/ (22.11.2017).

(2) Henry Kissinger, zit. n.: Anneliese Fikentscher und Andreas Neumann, Kiew: Generalprobe für Moskau, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20079 (26.02.14). Siehe auch: Henry Kissinger, https://www.youtube.com/watch?v=yo5_ct7R6Ng (17.8.2015).

(3) Joe Biden, Zeitdokument: Wir zwangen die EU zu Sanktionen gegen Russland, zit. n.: https://www.youtube.com/watch?v=JLO7uKVarB8 (5.1.2015).

(4) Barack Obama, Wir müssen Ländern den Arm umdrehen, wenn sie nicht das machen, was wir wollen, YouTube, (11.2.2015). Sowie: RT Deutsch, Obamas Diplomatie-Verständnis: Wir müssen Gewalt anwenden, wenn andere nicht das machen, was wir wollen, 12.2.2015.

(5) Barack Obama, Remarks by the President at the United States Military Academy Commencement Ceremony, 28.5.2014, https://www.whitehouse.gov/the-press-office/2014/05/28/remarks-president-united-states-military-academy-commencement-ceremony (8.9.2015).

(6) Zbigniew Brzezinski, Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft, Frankfurt am Main 2003, S. 15.

(7) The New York Times, Donald Trump’s New York Times Interview: Full Transcript, (23.11.2016).

(8) Donald Trump, zit. n.: YouTube, Donald J. Trump als US-Präsident vereidigt, (21.1.2017).

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