Der Fall Nawalny: Eine Provokation westlicher Geheimdienste? (Teil 3)

Teil 3: Nawalnys Vergiftung, ein Puzzleteil im „Internationalen Brennpunkt Chemiewaffen“

Von Jürgen Cain Külbel.

Das Phänomen ist bekannt: der Konsument von True Crime, von „wahren Verbrechen“, fragt sich kopfschüttelnd, wieso Ermittler den Bezug zwischen Kapitaldelikten, die von einem Einzeltäter, meinetwegen einem Serienmörder, begangen worden sind, nicht sofort, sondern erst nach zäher Untersuchung oder durch Zufall erkannt haben. In der Realität ist das ein kriminalistischer Kraftakt, bei dem während der Fallbearbeitungen umfangreiche strategische, logistische, erkenntnistheoretische Probleme gelöst werden müssen. Nobody is perfect, noch immer wird nur jede zweite Mordserie als solche erkannt.

Ich sehe in dem Chemiewaffen-Zirkus, der die Welt seit 2013 in Syrien, Salisbury, Sofia, Russland in Atem hält, einen Zusammenhang, eine Art internationalen Kriminalitäts-Brennpunkt mit geheimdienstlichem Hintergrund. Politik, Militär, Geheimdienste des kriegführenden Wertewestens, sind meinem Stand der Dinge nach Drahtzieher dieser Verbrechen, nageln in Vorwärtsverteidigung, um der Klärung der Schuldfrage auszuweichen und zuvorzukommen, dreist die Gegnerschaft fest: Russland, Syrien, Putin, Assad. Und „Cutouts“ wie Bellingcat spiegeln mit ihren medialen Verbündeten Der Spiegel, New York Times etc. diese gewünschten Schuldzuweisungen. Die isolierte Betrachtung der Einzelfälle Skripal oder Nawalny, der Chemiewaffenvorgänge in Syrien, führen daher weder zu Hintergründen, Motiv noch Klärung der Täterschaft. Widmen wir uns trotzdem zuerst dem „Einzelfall“ Nawalny.

Nawalny, die Flasche und Porton Down

Die siamesischen Zwillinge Hamburger Nachrichtenmagazin Der Spiegel, das NATO-Propaganda-Outfit Bellingcat krempeln die Ärmel hoch, wenn aufs Neue ein Kapitalverbrechen Russland, dem Autokraten Putin, seinen Geheimdiensten angeschmiert werden soll. Eilfertig liefern sie „Interna“, werfen mit „Beweisen“ um sich, die nie welche sind, tröten gegen Kreml und Konsorten. Belingcats Anbindung an die britischen Ex-Militärnachrichtendienstlern Bob Seely und Hamish de Bretton-Gordon beschrieb ich im ersten Teil der Serie. Und Bellingcats „Top-Ermittler“, der dubiose Bulgare Christo Grozev, der mit dem Ex-Nachrichtendienstler Seely Händchen hält, ist gern gesehener Mitautor beim Spiegel. Kein Wunder, dass der ein unsägliches britisches und NATO-Gespür für GRU-Agenten entwickelte, die er mit dem Vorturner Bellingcat mit großem medialen Krach festnagelt. Wer es glaubt: Grozev, so die Mär, schafft die „Informationen“ über Open Source an: mittels Laptop versteht sich, in seiner Wiener Sherlock-Holmes-Wohnung. Wer es mag: Der britische Dienst könnte über sein „Cutout“ Bellingcat und über Grozev geschickt seine Spielmaterialien, also falsche, aber glaubhaft dargebotene Informationen, die regelmäßig die „russische Spur“ aufmachen, in den deutschen Mainstream lancieren. Könnte? Nein, dafür ist die Verbindung doch geschaffen geworden? Oder? Es bedarf dann nur noch williger transatlantisch und antirussisch formatierter „Investigativjournalisten“, die das Spielmaterial kritiklos aufschreiben, der Leserschaft als „Beweismaterial“ unterjubeln. Fertig.

Am 17. September 2020 schrieb der Spiegel: „Eine Wasserflasche trägt womöglich zur Aufklärung des Giftanschlags auf den Kremlkritiker Alexej Nawalny bei. Das Team des russischen Oppositionellen schildert in einem Post auf Instagram, es habe in Nawalnys Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk eine Flasche sichergestellt, an der später Spuren des Nervengifts Nowitschok nachgewiesen worden seien. Nawalny war demnach bereits abgereist. Damit lässt sich der Zeitpunkt der Vergiftung des Politikers eingrenzen: “Sie muss noch vor seiner Abreise aus dem Tomsker Hotel erfolgt sein.“ Grozev twitterte am 17. September 2020 in Reaktion auf den Flaschenfund:Offensichtlich wurde er vergiftet, bevor er das Hotel verließ; entweder durch die Flasche selbst oder durch Berühren eines anderen vergifteten Gegenstandes vor dem Berühren der Flasche. Angesichts der bekannten ‚Inkubationszeit‘ für Novichok wäre er am Morgen vor seiner Abreise dem Gift ausgesetzt gewesen (…) Dies bedeutet wiederum, dass es im Hotel passiert ist und das Gift am Abend zuvor oder – weniger wahrscheinlich – während des Schlafens angewendet worden wäre. In beiden Fällen wäre es für russische Ermittler leicht herauszufinden, wer in den Stunden vor seiner Abreise Zugang zu Nawalnys Zimmer hatte.

Die Flaschensage im Fall Nawalny wurde meines Erachtens aufgebaut, um hinterher den Tatverdacht auf des Spiegels und Bellingcats Lieblings-Geheimdienst lenken zu können: die russische Hauptverwaltung für Aufklärung GRU. Grozev suggeriert nämlich: es gibt Täter, Geheimdienstler, russische, die im Tomsker Hotel agierten, irgendwo Nowitschok anbrachen. Täter also, die nur noch vom britisch-bulgarisch-deutschen „Investigativverbund“ gefunden werden müssen. Eigentlich kein Ding für Bellingcat und Spiegel, die regelmäßig männliche GRU-Agenten dingfest machen. Blöd jedoch, dass der mephistophelische Ansatz „Hotel, Nowitschok, Flasche = GRU-Täter“ nicht mehr greift, weil nachher nicht eine einzige Person Schaden nahm durch das irgendwo in Tomsk angeschmierte, den Geschädigten Nawalny verbreitete extrem tödlich wirkende Nervengift; weder im Omsker Hotel Xander, noch auf dem dortigen Flughafen; auch nicht im Flieger nach Omsk. Weder in der Omsker Notfallklinik, im Rettungsflieger nach Berlin, noch in der Charité. Und dass die kontaminierte Flasche, die nach Angaben meiner Quelle im Cockpit des Rettungsfliegers von Omsk nach Berlin transportiert wurde, überhaupt keinen Kollateralschaden anrichtete, so wie es sich für das extrem tödliche Nowitschok ziemt, ist mehr als skandalös. Zumal es sich im Fall Nawalny um eine noch „härtere“ der bisher bekannten Formen handelte, wie der Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), Bruno Kahl, an der ersten Septemberwoche 2020 in geheimer Runde erklärte. Die Bellingcat-Hamburger mittendrin: „Nach Spiegel-Informationen soll es sich bei dem gegen Nawalny eingesetzten Giftstoff um eine Weiterentwicklung von bislang bekannten Zusammensetzungen des Nervenkampfstoffes Nowitschok handeln.“ Ein Stoff, der alles und jeden sofort umhaut? Oder war gar kein Nowitschok im Spiel, und wir sitzen lediglich einer der seit spätestens 2003 bekannten üblen Gaunereien westlicher Geheimdienste auf? Erinnert sei an den Magier-Auftritt des US-Kriegsverbrechers Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, wo er mit weißem Pulver und Utensilien illusionierte, um Amerikas Krieg gegen Saddam Hussein Hand und Fuß geben zu wollen.

Wer stellt so „eine Weiterentwicklung von bislang bekannten Zusammensetzungen des Nervenkampfstoffes Nowitschok“ überhaupt fest? Der Spiegel berichtete bereits am 28. August 2020, die Ärzte der Berliner Charité haben sich an das Institut für Pharmakologie und Toxikologie der Bundeswehr in München (InstPharmToxBw) sowie an das britische Militärlabor in Porton Down gewandt, dort um Support zur Identifizierung des Giftes gebeten. Das Fachblatt Chemistry World zitierte am 3. September 2020 den Chemiker Andrea Sella vom University College London: „Experten weisen darauf hin, dass das deutsche Militärlabor, das derzeit Tests an Navalny durchführt, seine Ergebnisse mit dem britischen Verteidigungsforschungslabor Porton Down vergleichen wird, das an dem Fall der Skripals gearbeitet hat. ‚Wenn die verwendete spezifische Verbindung als genau dieselbe identifiziert wird, die bei Skripal und seiner Tochter verwendet wurde, wird dies nur die Dinge weiter zementieren, aber wenn es eine andere ist, schwächt das nicht wirklich den Fall, dass es Russland getan hat.“ Kamil Kuča, Toxikologe an der Universität von Hradec Králové in der Tschechischen Republik wusste am 8. September, dass die Salisbury-Probe vermutlich tiefe Einblicke in die Nowitschoks lieferte. Die britischen Behörden ‚wissen jetzt viel mehr über Toxizität, Nachweis und allgemeines Verhalten von Nowitschoks. Sie könnten ihre Ergebnisse mit ‚Freunden wie Deutschland teile. Mehrfache Anfragen des Autors, ob in der Nawalny-Probe eine Kooperation stattgefunden hat, wurden von Gary Aitkenhead, Geschäftsführer von Proton Down und vom Münchener InstPharmToxBw ignoriert.

Wir erinnern uns: das Labor in Porton Down „identifizierte“ nach Vorschlag des britischen Ex-Militärnachrichtendienstlers und Bellingcat-Verbündeten Hamish de Bretton-Gordon, Nowitschok als diejenige Substanz, mit der der Anschlag auf die Skripals im März 2018 in Salisbury exekutiert worden sein soll. Damit es nicht untergeht: de Bretton-Gordon identfizierte das russische Nervengift nicht nur innerhalb weniger Stunden nach dem Vorfall, sondern auch aus weiter Ferne – er befand sich damals auf einer Konferenz in Abu Dhabi. Als “rein russisches“ Nowitschok konnte es indes weder von Porton Down noch nachher von der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) definiert werden. Was da manipuliert wurde, weiß keiner. Ich gehe von der Hypothese aus, dass das in Porton Down “gefundene” Nowitschok ein Eigenprodukt des Labors war, um den “Anschlag” auf die Skripals dem “russischen Staat” in die Schuhe zu schieben. Es geht die Saga um, britische Schlapphüte seien dem MI6-Spion Sergej Skripal auf die Schliche gekommen, weil der mit reichlich brisanten Informationen Ausgestattete seine Rückkehr nach Russland vorbereitet hatte. Als seine angeblichen GRU-Attentäter Chepiga und Mishkin am Abend des “Tattages” von London nach Moskau zurückflogen, war neben ihnen ein dritter Platz frei. Ein “älterer” Russe namens Fedotov, nach Bellingcat-Gewürge ein GRU-Agent, hatte Minuten vor dem Rückflug ausgecheckt. Möglicherweise wäre das Skripals Platz und die “Attentäter” seine Begleiter auf der Heimreise gewesen. Ein Versuch des Absetzens nach Russland, der, nachdem er aufgedeckt wurde, zum Nowitschok-Attentat umgestrickt worden war. Das zumindest erklärt Skripals völliges Verschwinden von der Bildfläche: als Verräter der Briten hat er keine Wahl.

Frei nach Austin Powers: NATO-Spione in geheimer Missionarsstellung?

Und erneut der Spiegel: Bei den deutschen Sicherheitsbehörden geht man derzeit davon aus, dass nur ein russischer Geheimdienst Nawalny auf dem Weg zum oder am Flughafen selbst vergiftet haben kann. … Das Kalkül der Täter war es demnach, dass Nawalny noch an Bord des Flugzeugs sterben sollte.

Mit schneller Nadel schlecht gestrickt: Der Nowitschok-Superspreader Nawalny sollte also auf seinem Sitz im Flieger sterben. Wieso leben seine Sitznachbarn Yarmisch, Pachomow, all die anderen Fluggäste, Ersthelfer, Mediziner?

BND, seid ihr aus der Übung, weil ihr das operative Geschäft nach langer Corona-Pause erst vor wenigen Tagen wieder aufgenommen habt? Oder treibt euch Vassallentreue um? Wie sagte MI6-Chef Alex Younger im Dezember 2018: Eines der ungeheuerlichsten Beispiele (…) war der Angriff in Salisbury, bei dem der russische Staat auf britischem Boden eine chemische Waffe von Militärqualität einsetzte (…) Unsere Verbündeten vertrauten nach dem Angriff von Salisbury auf unsere GeheimdiensteAm 15. Februar 2019 gaben die Chefs von BND, französischen DGSE, des britischen MI6 auf der Münchner Sicherheitskonferenz zu Protokoll: “Die Chefs (…) sagten, dass alle drei Dienste weiterhin enge Verbündete sein würden, um Europa gemeinsam vor Bedrohungen wie Islamismus, Terrorismus, organisierter Kriminalität oder Cyberangriffen zu schützen”. Younger ergänzte: “Unsere Sicherheitsbeziehungen zu unseren europäischen Kollegen sind bedingungslos (…) Wir brauchen einander (…) Die Beziehung zwischen uns und unseren europäischen Partnern ist enger als je zuvor in meinen 30 Jahren als Geheimdienstoffizier.”

Auch in Sachen des verdeckten NATO-Krieges gegen Syrien hielten die Dienste zusammen. Westliche Anschuldigungen gegen Damaskus, Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt zu haben, führten 2017 und 2018 zu Raketenangriffen der USA, Frankreichs und Großbritanniens. “Der sogenannte Sarin-Angriff in Chan Scheichun war der Grund für einen US-Raketenangriff im April 2017. Trotz unschlüssiger und gefälschter Beweise, bei denen Menschen ungeschützt um den Sarin-Bombenkrater herumliefen und keine Überreste der Luftbombe gefunden wurden sowie vieler anderer Ungereimtheiten wurde die syrische Regierung vom Gemeinsamen Ermittlungsmechanismus (JIM) für schuldig befunden”, betonte seinerzeit der Ständige Vertreter Russlands bei den UN, Wassili Nebensja. Der BND widersprach: er sah seinerzeit Assads Luftwaffe hinter dem Giftgas-Einsatz, hatte „eigene Erkenntnisse“, schloss die Reihen mit seinen Brüdern Aggressoren Frankreich, USA, Großbritannien und deckte ihr verbrecherisches Tun.

Verquickung der Nawalny-Labore mit dem Syrien-Krieg

Aber nicht nur die westlichen Geheimdienste schmolzen zu einer Tatwaffe gegen Syrien und Russland zusammen. Auch die Labore in München, Porton Down, Frankreich, Umeå, die zur länderübergreifenden Task-Group der NATO gehörten, Nawalnys Proben untersuchten und die deutsch-britische(?) Nowitschok-These artig repetierten, sind längst in das Chemiewaffen-Theater in Syrien verquickt. Keine neutralen Labore also, die nach unvoreingenommener Analyse ein objektives Ergebnis liefern würden. Nein, es sind Labore der NATO-Verlierer, die ihrem russischen Bezwinger, der sie vom Kampffeld Syrien vertrieb, nicht das Schwarze unterm Fingernagel gönnen.

Das Institut für Verteidigungs- und Sicherheitsforschung“ (FOI CBRN Defence and Security) in der nordschwedischen Stadt Umeå, das über 850 Forscher verfügt, kooperiert nach Eigendarstellung multilateral mit der Europäischen Union und der NATO im Rahmen der “Partnership for Peace”, was, kratzt man die Kreide aus dem Hals, bedeutet: im Rahmen der völkerrechtswidrigen Angriffskriege gegen Irak, Afghanistan, Libyen, Syrien.

Åke Sellström, der am FOI in Umeå forschte, war Leiter des UN-Teams, das den Einsatz von Chemiewaffen im syrischen Ghouta am 21. August 2013 untersuchte; der nachher veröffentlichte Bericht enthält keine Schuldzuweisung. Der US-Investigativjournalist Seymour Hersh berichtete über enge Verbindungen zwischen der Türkei und der islamistischen Al-Nusra-Front, die gegen Assad und den IS kämpft. Die Türkei soll ein Programm der Al Nusra zur Entwicklung von Chemiewaffen unterstützt haben. Das Gas sei dann eingesetzt worden, um den Angriff Damaskus in die Schuhe zu schieben, so einen US-Militärschlag zu provozieren. Der damals in einem Geschäft für Frauenunterwäsche tätige Laie und Blogger Eliot Higgins konsultierte den britischen Ex-Nachrichtendienstler und Chemiewaffen-Experten Hamish de Bretton-Gordon und griff Hersh heftig an: Die Türkei sei nicht in den Giftgas-Angriff von 2013 verwickelt sondern Assad. Bald darauf gründete Higgins das NATO-Propaganda-Outfit Bellingcat.

Gern treffen sich europäischen Spezialisten mit ihren schwedischen, beispielsweise vom 8. bis 10. Juni 2016 in Stockholm, auf dem 12. International Symposium on Protection against Chemical and Biological Warfare Agents. Redner war auch de Bretton-Gordon, Verbindungsmann zwischen syrischen Weißhelmen, Londoner Regierung, Bellingcat, OPCW, diversen Laboren.

Oberst a. D. de Bretton-Gordon, Ex-Kommandeur des CBRN-Regiments, des Rapid Reaction CBRN Battalion der NATO, ehemals stellvertretender Direktor der Nachrichtendienstüberwachung und Aufklärungslandstreitkräfte im Londoner Verteidigungsministerium. war eine besondere Nummer innerhalb der britischen und NATO-Kriegsgelüste im Kampfgebiet Syrien. Oft war er dort selbst auf „Probensuche“, um Assads Giftgas-Angriff „nachzuweisen“. Seit spätestens 2013 arbeitet er nicht nur mit Eliot Higgins sondern auch „mit US-amerikanischen Netzwerken und britischen Zeitungen zusammen“, um immer wieder „chemische Proben aus Syrien zu schmuggeln zwecks Verifizierung in Großbritannien und Frankreich.“ In Großbritannien ist Porton Down dafür zuständig, in Frankreich der Service de Santé des Armées – beide gehören zur NATO-Task Group und „engagierten“ sich wohl auch in der Untersuchung der Nawalny-Proben.

Das Institute of Pharmacology and Toxicology der Bundeswehr in München, ebenfalls der NATO-Task Group angehörig, wird von Oberstleutnant Professor Dr. Horst Thiermann geleitet. Den Arbeitsgruppen für biomedizinische Spurenanalytik stehen die Chemikerin und Oberregierungsrätin Dr. Marianne Koller sowie der Chemiker und Regierungsdirektor Prof. Dr. Harald John vor. Oberstarzt Thiermann dürfte das Ergebnis der Untersuchung der Nawalny-Proben an die Bundesregierung weitergereicht haben, die dann am 2. September erklärte: Ein Speziallabor der Bundeswehr habe darin zweifelsfrei ein Nervengift der Nowitschok-Gruppe nachgewiesen.

Auch München dreht sich im syrischen Giftgas-Karussel: Unser Institut gehört … zu den ersten Einrichtungen, die den Einsatz von Sarin im Jahre 2013 und den Einsatz von Schwefellost 2015 in Syrien bewiesen haben.Woher stammten die syrischen Proben? 2013, 2015 reiste nur einer „undercover“ nach Syrien: Hamish de Bretton-Gordon. Und zwar für den britischen MI6. Am 22. März 2013 hieß es in The Times: Porton Down untersuchte eine Probe auf Sarin, die „in einer geheimen Mission“ unter Beteiligung des britischen Auslandsgeheimdienstes MI6 aus Aleppo herausgebracht worden war. Syrische „Rebellen“ behaupteten, sie seien von der syrischen Armee mit der Chemiewaffe angegriffen worden. Beamte des US-Verteidigungsministeriums drangen auf Beweise. Laut Homeland Security Today vom 22. Mai 2015 „sammelte und analysierte (de Bretton-Gordon) Mitte April 2015 (erneut) Proben“, diesmal „von einem angeblichen Chlorangriff in Sarmin, Syrien“. Die wurden nachher von US-Botschafterin Samantha Power dem UN-Sicherheitsrat vorgelegt. Präsident Obama ließ sich von den britischen Ergebnissen aber nicht beeindrucken – der von Londoner und Washingtoner Hardlinern ersehnte „game changer“, der Angriff einer „Koalition der NATO-Willigen“ auf Syrien blieb aus. De Bretton-Gordon arbeitete also Elementen in den Regierungen zu, die den Staat Syrien überfielen und Präsident Assad das Vergasen des eigenen Volkes anzudichten versuchten. Bei einem Treffen der „Freunde Syriens“ im Westminster-Palast am 13. September 2017 plauderte de Bretton-Gordon aus: „Ich bin heimlich in Syrien gewesen, um Beweise für Angriffe mit chemischen Waffen zu sammeln, und habe sie der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) und der UNO übergeben.“

Die Unterwanderung der OPCW durch britische „Experten“ und Militärs

Zufälle gibt es: Am 19. August 2020, einen Tag vor der angeblichen Vergiftung von Nawalny, zeigte sich das Vereinigte Königreich gegenüber der OPCW spendabel und leistetevier freiwillige Beiträge in Höhe von insgesamt 800.000 britischen Pfund, um eine Reihe von Großprojekten und Aktivitäten der Organisation zu unterstützen“. Damit avancierte Großbritannien neben Frankreich, Deutschland, Kanada zum Hauptsponsor der OPCW. Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird! Momentan steht wohl „Großprojekt“ Nawalny an, denn die OPCW ist integriert in den Fall.

Eine Delegation war in der Berliner Charité, bekam dort Blut- und Urinproben des vergifteten Politikers zur weiteren Untersuchung ausgehändigt“. Regierungssprecher Steffen Seibert erklärte am 14. September 2020, Deutschland habe Speziallabors in Frankreich und Schweden „Proben von Herrn Nawalny“ zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse „liegen nunmehr vor und bestätigen den deutschen Nachweis“. Laut Seibert habe auch die OPCW Proben von Herrn Nawalny entnommen und die nötigen Schritte eingeleitet, um diese durch Referenzlabore der OVCW untersuchen zu lassen”. Unklar bislang die Umstände der Probenentnahme: Entnahmen Angestellte der Drittlabore/OPCW mit eigenen Händen Blut- und Urinproben aus Herrn Nawalnys Körper, benutzten sie eigene medizinische Geräte (Injektionsnadel, Probenbehälter)? Wurden ihnen Proben von bereits existierenden Proben übergeben oder zugestellt? Wurden ihnen in dem Fall Blindproben mitgegeben? Haben Angestellten der Drittlabore/OPCW mit eigenen Händen Proben von der mit Nowitschok kontaminierten Wasserflasche gezogen? OPCW und NATO-Labore sollten dringend erklären, welche Substanz sie fanden, die die bizarre Aussage zulässt, ein „härteres“ Nowitschok sei bei Nawalny eingesetzt worden. Aber da weiß man wohl schon Rat: Der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter, ein Mann der NATO, Vorstandsmitglied von Atlantik-Brücke und Deutsch-britischer Gesellschaft hat die Verschleierung bereits eingeleitet:Die Bundesrepublik dürfe die Daten nicht offenlegenwarteten. Sie könnten dann ableiten, mit welchen Analysemethoden gearbeitet wurde.“

Auch den britischen Giftfingern innerhalb der OPCW müssen die Klauen beschnitten werden. Wir erinnern uns: Im syrischen Duma soll es am 7. April 2018 zu einem Giftgasangriff gekommen sein, der über 40 Menschen tötete. Der Westen machte Damaskus verantwortlich; USA, Frankreich, Großbritannien flogen als „Vergeltung“ Luftangriffe. Die OPCW machte nachher ebenfalls das syrische Militär verantwortlich. Zweifel von OPCW-Whistleblowern wurden von hochrangigen OPCW-Funktionären unterdrückt, der dazugehörige Bericht aus dem Archiv des Dokumentenregisters der OPCW gelöscht. Laut einem Whistleblower sei der Abschlussbericht so manipuliert worden, “dass Ergebnisse zustande kamen, die dem entsprachen, was sich die USA, Großbritannien und Frankreich von dieser Untersuchung erhofft hatten. Die Beweise allerdings unterstützten diese Ergebnisse aber nicht.” OPCW-Generaldirektor Fernando Arias bezeichnete die Whistleblower als unglaubwürdig und „abtrünnig“. Gelten ließ Arias jedoch die „Ergebnisse“ des OPCW Team Alpha, das den Vorfall untersuchte und zu dem Schluss kam: Assads Truppen waren es. Dazu gehörte der britische Inspekteur Stephen Peter Wallis, 2008 bis 2010 im Police National CBRN Centre in Wiltshire, Porton Down tätig, Absolvent der Royal Military Academy Sandhurst und enger Bekannter des Chemiewaffen-und Nachrichtendienst-Faktotums Hamish de Bretton-Gordon. Nach Duma kroch er 2018 im Londoner Verteidigungsministerium unter, wo auch de Bretton-Gordon Chefberater in Sachen Chemiewaffen in Syrien, Salisbury. Sofia, Tomks, Omsk, Berlin ist.

Wallis Mitstreiter im Team Alpha war der Brite Leonard Arthur Philips, der in den Niederlanden und in Wales lebt. Phlilips traf sich im Rahmen der Untersuchung des Vorfalls mit dem Gründer der Weißhelme, dem korrupten Suizidenten und Ex-Nachrichtendienstler James Le Mesurier in der Türkei zur „Zeugenfindung“. Le Mesurier, das ist bekannt, war der langjährige Freund von de Bretton-Gordon. Ich kann es nicht behaupten, doch wird gemunkelt, dass Phillips und de Bretton-Gordon die Firma PhBG Consultants Ltd. (Ph – Phillips, BG – Bretton-Gordon) führen. Nach meinen Ermittlungen gab Philips zudem OPCW-Interna weiter an Professor Gregory Koblentz, den Direktor des Biodefense Graduate Program an der George Mason University, Fairfax, Virginia, USA. Koblentz stellte den direkten Kontakt zwischen Bellingcat und Phillips her. Der lieferte „vertrauliche“ OPCW-Informationen, die das NATO-Propaganda-Outfit zur Irreführung der Öffentlichkeit im Fall Duma benutzte.

Indizien für einen „Internationalen Brennpunkt Chemiewaffen“, der weit umfassender und noch unerforscht ist, liegen auf der Hand. Ebenso, dass die Haupttäter in London sitzen, der Beginn des Brennpunktes im Jahre 2013 zusammenfällt mit der Entlassung des Chemical-Oberst de Bretton-Gordon ins zivile Leben, damit der sich mit James Le Mesurier auf dem syrischen Schlachtfeld umtun kann.

„Proben“ zum Fall Nawalny in den Händen der NATO-Labore, der unseriösen, allzeit unterwanderten OPCW, allesamt Kriegsgegner Russlands, bedeuten nichts Gutes. Vielmehr dürften sie einen anglo-sächsischen MI6-Stallgeruch haben. Für das noch zu erwartende OPCW-Untersuchungsergebnis gilt daher: Nicht jeden Dreck fressen. Der im Syrien-Krieg von Russland geschlagene transatlantische Kriegerverbund tritt lediglich zurück. Ganz im Sinne von Pompeos CIA: Wir lügen, wir betrügen, wir fälschen.

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Dieser Artikel erschien zuerst in einer kürzeren Version am 06. Oktober 2020 bei RT-Deutsch

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Vielen Dank an den Autor für die exklusive Zurverfügungstellung einer erweiterten Artikelversion.

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Bildquelle: Herr Loeffler / shutterstock

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