Corona-Untersuchungsausschuss – Teil 31 oder 13.2 | Von Jochen Mitschka (Podcast)

Majestätsbeleidigung oder notwendige Prüfung?

Ein Standpunkt von Jochen Mitschka.

In der Corona-Ausschusssitzung Nr. 13 von August 2020 wird das Thema “Mittelstand in der Krise, Staatsverschuldung, Pandemiegewinnler” (1) behandelt. In diesem zweiten Teil der Zusammenfassung diskutiert der Ausschuss zunächst mit Dr. Wolf-Dieter Stelzner.

Dr. Wolf-Dieter Stelzner

Dr. Stelzner ist der Meinung, dass seit Jahren eine weltweite “Gleichschaltung” zu beobachten wäre. Außerdem wäre die Welt nach Corona nicht die gleiche wie vorher. Und was passierte, könne nicht “von ungefähr” passiert sein. Im “Westen” gäbe es eine “Verlötung” zwischen Demokratie und marktwirtschaftlichen Elementen. Er würde aber diese Verlötung seit 20 Jahren in Frage stellen. Und die Pragmatiker der Finanzwirtschaft erklärten seit einiger Zeit bereits, dass die Modelle der Wissenschaftler nicht mehr greifen würden. “Mit der weltweiten Gleichschaltung, die irgendwie keiner verstanden hat, sind alle tagesaktuellen Brandherde von den ersten Seiten der Tagesgazetten verschwunden.

Dann erwähnte er die Probleme, die plötzlich nicht mehr diskutiert werden. Als Beispiel erinnerte er dann, dass Ford bereits vor Corona Kurzarbeit eingeführt hatte. Er käme von der Psychoanalyse, von der Wirtschaftspsychologie und von den Wirtschaftswissenschaften. Seiner Meinung nach würde Corona instrumentalisiert.

Er würde immer wieder hören: “Wie kommt man aus dem ganzen Quatsch hier wieder raus?” Dazu müsse man sich fragen, warum solche Dinge wie der Corona-Ausschuss aufdeckt, so wenig Gehör in der Öffentlichkeit finden? Warum werden alternative Meinungen im offiziellen politischen Raum praktisch nicht angehört?

Dann berichtete er, wie schon bei Ausrufung der Pandemie von allen großen Krankenhäusern die Nachricht gekommen wäre “Null Probleme“. Auch danach hätte er in seinem Netzwerk immer wieder Ärzte abgefragt, wie der Status wäre. Und auch da waren nie Probleme der Überlastung wegen Corona gemeldet worden. “Wir erleben derzeit eine biografische Reaktanz als Antwort auf einen Systemzwang.”

Je zwanghafter und formalisierter eine Gesellschaft von politischen Führern aufgefordert werde, sich zu verhalten, desto mehr könne man sagen, dass das System auf einem absteigenden Ast wäre. Diesen Mechanismus könne man geschichtlich nachweisen. Es müsse etwas passiert sein, und man würde erleben, dass ein gewaltiger Systemumbau stattfinden würde. Im Hintergrund würden Firmen-Einkäufe stattfinden, die er phantastisch nannte.

Wenn man hören würde, dass die Lufthansa mit neun Milliarden Euro unterstützt wurde, aber kompetente Beobachter erklärten, dass sie trotzdem “kaputt” wäre, dann wären das Sätze, über die man nachdenken müsste. Dann erwähnte er Automobilzulieferer, die möglicherweise kurz vor der Insolvenz stehen, und dessen Werte dann günstig von Investoren übernommen werden können.

Der Meinung von Prof. Stelzner zufolge wären die Zahlen vom IFO-Institut und anderen durch falsche Parameter gesteuert. Tatsächlich wäre der Wirtschaftscrash bereits da. Es gäbe viel mehr Insolvenzen als bisher sichtbar, auf Grund der durch die Politik veranlassten Phasenverschiebung.

Die Spaltungsprozesse in der Gesellschaft sind so vehement, (…) was passiert jetzt eigentlich, wenn das zurückgenommen werden soll? Es geht nicht mehr. Wir haben zu viele Leute, die ‘angstverbrannt’ sind. Wir haben Spaltungsprozesse, die dazu führen, dass [die Spaltung zwischen] Glaubensereiferer auf der einen Seite und Pragmatiker auf der anderen Seite nicht mehr zu überbrücken sind.”

Prof. Dr. Christian Kreiß, Wirtschaftswissenschaftler

Prof. Kreiß war Investmentbanker und ist seit 2002 Hochschullehrer für Finanzierung und Investitionen. Er wies darauf hin, dass die Ökonomie bereits seit spätestens 2018 rückläufig war, insbesondere im Bereich Automobil- und Maschinenbau. Viele Konzerne wären bereits vor dem Lockdown unruhig und nervös gewesen, und hätten “auf etwas gewartet“.  Dann kam der Lockdown, und einer der Effekte wäre zu sagen, dass jemand oder etwas anderes Schuld ist.

Ein anderer Effekt wäre, dass durch diese Lockdown-Maßnahmen viele kleine Mittelständler im Laufe von 2020 und 2021 “pleite gehen” werden. Creditreform spricht von 500.000 bis 800.000 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland. Und das wäre eine sehr seriöse Schätzung. Um zu verstehen, was das bedeute, müsse man sich vor Augen halten, dass es in Deutschland 3,1 bis 3,5 Millionen Unternehmen geben würde. Demnach würde ein Viertel der Unternehmen aufgeben.

Wenn man fragen würde, wer den Nutzen hat, wird man antworten müssen, dass es nur die Großen sind, die man rettet. Das sähe man an Lufthansa oder den großen Autokonzernen. Die kleinen würde man Pleite gehen lassen, dann würde der große Beutezug folgen, die Marktanteile würden bereinigt werden.

Rein ökonomisch gesehen brächten die Lockdown-Maßnahmen große Vorteile für jene, die jetzt Liquidität besitzen. Da gäbe es historische Vorbilder. Das Wall Street Journal berichtete, so Kreiß, dass derzeit Privat Equity Unternehmen, also Investitionsfirmen die Geld von Investoren eingesammelt haben, auf zwei Billionen Dollar “Bargeld” sitzen würden. In der Krise heiße es “Cash is King“. Wem das Geld ausgehe, der geht Pleite.

Rein ökonomisch gesehen könne man diese Lockdown-Situation instrumentalisieren, indem man Öl ins Feuer schüttet, Angst erzeugt. Jeder Tag Lockdown bringe eine Milliarde Netto-Gewinn für jene, die auf Firmenpleiten spekulieren würden.

Viviane Fischer wies darauf hin, dass bei der US-Notenbank im letzten Jahr schon Nervosität zu verzeichnen gewesen war, als im September 2019 bereits Unruhe im Interbankenmarkt entstanden war, und die FED mit Übernachtfinanzierungen wöchentlich hundertsiebzig Milliarden Dollar reinschoss. Dann wären 2.000 Milliarden Dollar in das System gepumpt worden und es wäre die Mindestreserve-Erfordernis abgeschafft worden. Investmentfirmen wie BlackRock hätten nun also noch mehr Möglichkeiten, indem sie neben den Eigenmitteln auf noch mehr Kredite der Banken zurückgreifen könnten.

Als Beispiel wurde erwähnt, dass der größte deutsche Mietwagenaufbereiter, welcher an den Flughäfen die Mietwagen in Empfang nimmt, aufbereitet und den Mietwagenfirmen wieder zur Verfügung stellt, siebentausend Mitarbeiter entlassen hatte, und nun an einen großen britischen Konzern verkauft wurde.

Auf die Frage von Dr. Füllmich, ob die Herrschaft des Rechts wieder hergestellt wird, antwortete Prof. Kreiß dass er nicht an eine mögliche Reparatur glaube. Die Schulden weltweit würden etwa 350% des Bruttosozialproduktes der Welt betragen. Theoretisch müssten alle arbeitenden Menschen der Erde dreieinhalb Jahre arbeiten, um diese Schulden zurück zu zahlen. Das wären ca. 280 Billionen Dollar. Die Forderungen der Gläubiger wären zu 50% in den Händen von 1% der Erdbevölkerung. Ein weiteres Drittel ist in den Händen der “oberen 10%“. Die Situation ist deshalb klar: Die Hälfte der Erde müsste ohne Einkommen dreieinhalb Jahre nur für die oberen 1% arbeiten.

Das ginge nicht, die Schulden wären einfach zu hoch. “Wir hatten bei Ausbruch der Finanzkrise von 2007 einen Weltschuldenstand von ungefähr 280%. Das war zu viel, um sie zurück zu zahlen. Dann kam die große Finanzkrise, die Notenbanken haben Geld gedruckt, haben die Geldmenge vervierfacht, verfünffacht, im Euroraum, im US-Dollar-Raum, weil 280% zu viel war. Heute ist er 350% und wir haben einen Lockdown mit einem Einbruch der Weltwirtschaftskraft wie wir ihn in den letzten 100 Jahren noch nie gesehen haben.

Inoffiziell würde der Begriff “die Jahrhundertrezession” kursieren. Bereits im 2. Quartal 2020 wäre Europa um mehr als 10% “abgestürzt“. Die Schulden würden 50% der Wirtschaftskraft benötigen, sie können aber nur bedient werden aus dem laufenden Wirtschaftskreislauf. Der Wirtschaftskreislauf wird aber abgewürgt, wie Prof. Kreiß erklärt, über staatliche Zwangsmaßnahmen und Angstschüren, wie über Maskenpflicht. Letzteres würde Menschen davon abhalten zum Einkaufen zu gehen. Er meint, dass deshalb die Schulden niemals zurückgezahlt werden könnten. Und er als früherer Banker sage, dass ein Kreditnehmer, der einen solchen Schuldenstand hat, den müsse man abschreiben. “Das gibt eine Einzelwertberichtigung“.

Es gäbe zwei Möglichkeiten. Eine Möglichkeit wäre ein geordneter Schuldenschnitt, also dass man z.B. 30% aller Schulden, je nach Land, reduziert, was sogar Boston Consulting, eine erzkonservative Organisation, vorgeschlagen hatte. Im Gegenzug muss man dann natürlich auch die Vermögen beschneiden. Was bedeuten würde, dass die oberen 1% ein Drittel ihres Vermögens verlieren würden. Und der Meinung von Prof. Kreiß nach würden dann die Machtmechanismen greifen, und die 1% werden sich dagegen wehren. Aus diesem Grund würde wohl kein geordneter Schuldenschnitt möglich werden.

Die zweite Möglichkeit wäre eine Inflation über drei bis fünf Jahre. Die Preise lässt man im Euro- und Dollarraum verdoppeln oder verdreifachen. Das hätte es auch schon gegeben. Die USA haben ihre Kriegsschulden nach 1945 über eine leichte Inflation um ein Drittel reduziert. So würden die Schulden auch real halbiert oder gedrittelt. Wenn das aber beides nicht gelingt, weil viele Menschen einfach kein Geld haben, weil die Einnahmen wegbrechen, könne auch keine Inflation realisiert werden. So sähe es momentan eher nach einer Deflation aus.

Wenn es aber doch noch gelinge, eine Inflation zu verursachen, werde man vermutlich eine Mischung aus ganz großen Unternehmenspleiten sehen. Außerdem wären mindestens ein dutzend Länder bereits heute defacto “pleite“. Ein weiteres Dutzend wäre ziemlich kurz vor dem finanziellen Ruin. Deshalb werde man vermutlich einige Staatsbankrotte sehen, Millionen von Unternehmensinsolvenzen, und vielleicht im Anschluss dann die Inflation.

Am Ende der Schuldenkette stehe immer jemand, der sein Geld zurück haben will. Die Zahl der physischen oder virtuellen Dollarscheine in den USA hätte sich seit 2007 verachtfacht. Die Bilanzsumme der US-Notenbank hat sich ebenfalls ca. verachtfacht. Und jemand hat den Gegenwert in Schuldscheinen in der Hand und glaubt, dass das noch etwas Wert wäre, meint Prof. Kreiß. Aber eigentlich stehe immer nur die Arbeitskraft von Menschen als Wert gegenüber.

Es wäre eine Illusion, dass ein Dollar als Geldschein, als Bond oder anderes Schuldpapier tatsächlich noch einen Dollar wert ist. Das Geld wäre schon lange nicht mehr gedeckt. “Und wenn die Menschen aufwachen und entdecken ‘Das Geld ist gar nicht mehr gedeckt’, dann kommt es zu Panikreaktionen.” Entweder gibt es einen “Bankrun” in dem die Menschen versuchen, ihr Geld von der Bank zurück zu bekommen, oder es werden Werte wie Gold oder Immobilien verzweifelt gekauft. Aber dann gäbe es einen Bereinigungsprozess.

Auf die Nachfrage, ob es nach dem Bereinigungsprozess zu einer Änderung der Geldpolitik kommen müsse, insbesondere zu einer Deckung des Geldes durch Werte, antwortete Prof. Kreiß, dass letzteres in der heutigen Zeit unmöglich wäre. Dass aber natürlich die Geldpolitik geändert werden müsste. Aber man bräuchte zuerst eine neue Bodenordnung, einen anderen Umgang mit den Immobilien und dem Realvermögen, auch den Aktien. “Solange wir zulassen, dass die Bodenwertgewinne, dass die Mieten und Pachten in eine ganz kleine Gruppe von sehr sehr reichen Bodenbesitzern fließt, (…) hilft uns auch das beste Geldsystem nicht so viel, denn dann haben wir nach wie vor die dramatischen Umverteilungsprozesse, die wir seit vierzig Jahren sehen.

Er wies darauf hin, dass auch der Befürworter von “Schwundgeld“, Silvio Gesell, darauf hingewiesen habe, dass man natürlich bei Einführung eines solchen Geldsystems auch die Realvermögen, insbesondere die großen Immobilienwerte nicht unangetastet lassen kann.

Außerdem wies er darauf hin, dass auch der Umgang mit Aktienkapital grundlegend geändert werden müsste. Er wies darauf hin, dass Apple zwei Billionen Dollar an Wert darstellen würde. Das wäre das dreifache Sozialprodukt der Schweiz. So lange man solche krebsartige Wachstumsprozesse zulassen würde, würde auch ein neues Geldsystem nur eingeschränkt helfen.

Viviane Fischer erwähnte dann, dass die Auslassungen ja für eine normale Wirtschaft gelten würde. Nun gäbe es aber den Lockdown, der die Wirtschaft abwürgt, und eine immer weiter geführte Panik-Politik.

Prof. Kreiß erklärte, dass die einseitige Berichterstattung in Richtung Panik und Hysterie unbedingt aufhören müsste, weil es sonst keine Chance gäbe, in eine einigermaßen geregelte Ökonomie zurück zu kommen. Dann äußerte er sich zu Demokratie und Marktwirtschaft und meinte, dass der Hauptvordenker des momentanen Systems, Milton Friedman, einer der Hauptvordenker des Neoliberalismus war. Der hätte ganz offen gesagt, “wir können entweder Kapitalismus haben, oder Demokratie, beides geht nicht“.

Deshalb ist Prof. Kreiß der Meinung, dass man schon lange vor dieser Schlüsselfrage stehen würde, ob man Kapitalismus oder Demokratie haben will. Eine Demokratie wäre nur möglich, wenn man den Kapitalismus ganz streng reglementieren könnte.

Auf die Frage, welcher Bereich durch eine Inflation am heftigsten getroffen werden würde, erklärte Prof. Preiß, dass sei zuerst eine Inflation bei den “Werten” wie Gold, Immobilien, Aktien. Das erkenne man derzeit ganz massiv. Gold ist so teuer wie nie, Silber steigt wieder, Aktienkurse zeigen historische Höchststände in den USA an, obwohl die Realökonomie “abschmiere” und die Arbeitslosenquote bei über 20% liege. Gleichzeitig aber könnte man bei Autos, Fahrrädern und Kühlschränken eine Deflation bekommen.

Dr. Wodarg wies dann darauf hin, dass eine Alternative durch eine Regionalisierung der Ökonomie gegeben wäre. Stabile und resiliente Gesellschaften müssen überschaubar sein, dann wäre auch Demokratie in diesen Bereichen realisierbar. Man müsste wissenschaftlich untersuchen, wie eine regionalisierte Welt, die als Netzwerk funktioniert, als Demokratie realisierbar ist.

Prof. Kreiß wies dann nach einer Frage von Dr. Füllmich darauf hin, dass sein 7. Buch mit dem Titel “Gekaufte Wissenschaft” (2) am Tag des Interviews erschien. Und da dieses Gelddenken “Gewinn geht vor Wahrheit“, existiere, wäre die Anregung von Dr. Wodarg eher nicht zu realisieren, da es keine freie Wissenschaft mehr gäbe.

In Hinblick auf die Finanzwirtschaft erwähnte Prof. Kreiß, dass die Realwirtschaft mit ihrer Produktion und Dienstleistung die realen Werte auf der Erde erschaffen würde. Allerdings gäbe es eine Untersuchung der ETH Zürich von 2011, in der untersucht wurde, wer denn am Ende die Entscheidungen fällen würde, und “die Fäden in der Hand” halten würde. Dabei kam man in dieser sauber dokumentierten wissenschaftlichen Studie zu dem Schluss, dass ca. 750 Spitzen-Aktienbesitzer (Top Shareholder), im Wesentlichen in der Finanzindustrie, etwa ein Drittel der Weltwirtschaftsleistung kontrollieren.

Dadurch kam er auf das Thema “Demokratie ODER Kapitalismus” zu sprechen. “Wenn sie einzelnen Menschen (…) oder Milliardären hinter den Konzernen, oder Menschen wie Bill Gates oder Bazos, (…) dutzende von Milliarden Dollar in die Hand geben, oder gar hunderte Milliarden, stellt sich die Machtfrage.” Entweder hat man Kapitalismus, der dafür sorgt, dass Apple entsteht, Facebook entsteht, meint Kreiß, und dass sich die Macht damit immer weiter konzentriere, auch die politische Macht. Dann beschrieb er als Beispiel, wie große Teile von Springer durch einen US-Konzern aufgekauft wurden der nun maßgeblichen Einfluss auf die Meinungsbildung in Deutschland direkt ausüben kann. … Oder, man könne eben Demokratie haben. Demokratie ohne drastische Kontrolle des Kapitalismus, so Kreiß, ist einfach nicht möglich.

“Wenn wir solche Multi-Milliardäre zulassen, die immer von der Arbeitskraft anderer das abgezwackt haben, anders können sie nicht reich werden, wenn wir einem Bill Gates, weil er 80, 90, 100 Milliarden besitzt, eine Macht einräumen, die ihm in keiner Weise zusteht, er hat eine Macht wie mehr als eine Million Menschen gemeinsam, dann hat das nichts mehr mit Demokratie zu tun.” Und dem läge das kapitalistische System der leistungslosen Einkommen über Dividenden, Zinsen, Mieten zugrunde.

Dann betonte er, dass er kein Gegner des Kapitalismus wäre, sondern ein Anhänger des Unternehmer-Kapitalismus (Entrepreneur-Kapitalismus). Das wäre ein Kapitalismus, in dem der Unternehmer im Unternehmen ist, seine Mitarbeiter und die Produkte kennt, und davon wäre scharf abzugrenzen der so genannte Rentenkapitalismus.

Es gäbe jede Menge Bücher und Theorien dazu, wie man innovatives und kreatives Unternehmertum fördern, aber die Auswüchse wie wir sie bei den Multi-Milliardären sehen, vermeiden könnte. Aber es gäbe Machtinteressen, die dafür sorgen würden, dass solche Modelle niemals realisiert würden.

Dr. Füllmich stellte dann die Frage, ob Angela Merkel bewusst gewesen wäre, was sie mit ihrer Bemerkung über eine “marktkonforme Demokratie” ausgedrückt hätte. Daraufhin antwortete Prof. Kreiß, dass “gezügelter” Kapitalismus und Demokratie zusammenpassen würden, nicht aber der derzeit zu beobachtende ungezügelte Kapitalismus. Die ursprüngliche Idee der “sozialen Marktwirtschaft” wäre, ausgebaut und erweitert, ein möglicher und vernünftiger Weg.

Dr. Wodarg wies dann noch darauf hin, wie und wo sich demokratische Prinzipien entwickelt hatten, und dass es wichtig wäre, dass die gesellschaftlichen Einheiten überschaubar blieben und nicht zu groß werden.

Prof. Kreiß führte aus, dass die Menschen den Politikern ihre Macht anvertrauen würden. Politiker würden nun mal dazu neigen, besonders wenn sie egomanisch wären, die Macht an sich zu reißen. Eines der Kernübel, das es derzeit gäbe, wäre die Tatsache, dass das Vertrauen stark reduziert wäre. Eine Institution wie der Corona-Ausschuss, der versuche die Wahrheit aufzudecken, das wäre ein großer Schlüssel für Vertrauen. Vertrauen könne immer nur auf Wahrheit beruhen.

Der Unternehmer Wagner warf ein, dass das System eigentlich vorhanden wäre, es aber von der Politik missbraucht würde. Er hätte drei Klagen versucht einzureichen, wegen der Grundrechtseinschränkung beim Schließen seines Geschäftes. Aber er hätte einen Vordruck zurückbekommen. Das wäre nur möglich gewesen, weil die Bundeskanzlerin den Föderalismus geopfert hätte, der einst nach der Erfahrung des Naziregimes eigentlich durch das Grundgesetz gestärkt worden war.

Dr. Wodarg wies dann darauf hin, dass auch die deutsche Regierung zugelassen hätte, dass nicht gewählte Institutionen ohne Legitimation, die zum größten Teil von privaten Geldgebern bezahlt werden, also Organisationen wie die WHO, Regeln setzen, und Möglichkeiten eröffnen, alle demokratischen Verfahren mit Hinweis auf “etwas Größeres” auszusetzen. Seit der Schweinegrippe, hätte sich nichts geändert daran, dass durch die geänderten Regeln der Pandemie-Definition, fast willkürlich weltweit das Recht ausgehebelt werden könne. Das was in China oder Italien passierte, hatte überhaupt nichts mit Deutschland zu tun. In Deutschland gäbe es eigene Sentinel-Instrumente mit Hausarztpraxen und das Robert Koch Institut. Jede Woche gäbe es Berichte über die kursierenden Keime. Aber die Regierung würde sich nicht darum kümmern, schaue nach China.

Deutschland könnte sein Gesundheitswesen sehr gut steuern. Wir hätten die besten Möglichkeiten der Welt, mit jeder Krankheit fertig zu werden. Wir müssten überhaupt keine Angst vor einer Pandemie haben. Und wenn jemand nun komme und wieder einmal vor etwas ganz Gefährlichem warne, dann würde er wieder einmal lügen, so wie bei der Vogelgrippe, wie bei der Schweinegrippe. Da dieses Modell so gut funktionierte, hätten sich viele darauf gesetzt, um viel Geld zu verdienen.

Dr. Stelzner wies darauf hin, dass Begriffe wie Vertrauen oder Größenwahn von Medizinern oder Psychiatern anders definiert würden als von Psychologen, die von der analytischen Seite kommen würden. Man würde über Geldpolitik, Macht und Wirtschaftssysteme sprechen, nicht aber über einen psychischen Mechanismus, der sich durch alles durchziehen würde, und welcher der Wiederholungszwang wäre. Die Herrschaft des Rechts hätte es nie im demokratischen Sinn gegeben.

Das könne man am Völkerrecht erkennen, wo es das Spannungsfeld zwischen Naturrecht und Menschenrecht geben würde. Und es gäbe ab einem bestimmten Punkt in der Psyche Mechanismen und Strukturen, die dazu führen würden, dass ein Mensch mit Milliarden nicht mehr berechenbar wäre.

Wenn wir über Demokratie reden (…) wenn wir über das Entrepreneur-Unternehmertum reden (…), sind das Modellvorstellungen, die zum Teil verifiziert sind. Aber unser Bildungssystem hat dazu geführt, dass wir Millionen von Menschen haben, die gar nicht mehr verstehen, was wir hier machen, wenn wir eine solche Diskussion führen.”  Ein hoher Ministerialbeamter hätte ihm gesagt, dass 80% der Bevölkerung nicht mehr in der Lage wäre zu verstehen, was in der Politik überhaupt passieren würde.

Das Internet wäre einmal von einem seiner Kollegen untersucht worden. Dabei wäre festgestellt worden, dass die Nutzung der Smartphones schon in jungen Jahren die Gehirnstruktur zu verändern scheine. Die Jugendlichen würden Widersprüche, die sie selbst aussprechen, nicht mehr erkennen.

Dann referierte er über Naturrecht. Was nichts anderes bedeute, als dass sich jemand mit Möglichkeiten durchsetzt, ohne Rücksicht auf Moral und Ethik. Die Einschränkung dieses Naturrechts durch die Entwicklung der Menschenrechte wäre im Moment außer Kraft gesetzt worden.

Zum Thema Wissenschaft fügte er dann hinzu, dass alle Unternehmer, welche er befragt hätte, ob sie eine Denkfabrik finanzieren würden, geantwortet hätten, ja, wenn sie wüssten, was sie für ihr Geld bekommen. Sie wären nicht bereit, ergebnisoffen in Wissenschaft oder eben eine Denkfabrik zu investieren. Deshalb gäbe es keine Denkfabriken, die etwas produzieren, was nicht vorher als Ergebnis erwartet worden wäre.

Wie es weiter geht

Die nächste Zusammenfassung wird die Diskussion abschließen und anschließend mit der Befragung von Prof. Dr. Martin Schwab, einem Rechtswissenschaftler fortfahren.

Quellen:

  1. https://youtu.be/ODCCjbbo2ik
  2. Das Buch kann als PDF kostenlos von der Homepage von Prof. Kreiß heruntergeladen werden. https://menschengerechtewirtschaft.de/wp-content/uploads/2020/08/Buch-Gekaufte-Wissenschaft-pdf.pdf

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Danke an den Autoren für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:    ©OvalMedia

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