Bundeswehr: Seit 20 Jahren in Afghanistan und kein Ende absehbar

Ein Beitrag von Peter Haisenko.

Es grenzt an Irrsinn, 20 Jahre lang das Gleiche zu tun, ohne dem erwünschten Ziel auch nur einen Schritt näher zu kommen. Jetzt soll der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr bis ins nächste Jahr verlängert werden.

Donald Trump hat ernsthafte Verhandlungen mit allen Parteien in Afghanistan geführt, auch mit den Taliban, um eine eigenständige Entwicklung der Situation dort und den vollständigen Abzug aller fremden Soldaten im Land zu ermöglichen. Er war dabei so erfolgreich, dass die Regierung in Kabul mit den Taliban fruchtbare Verhandlungen führte und er seine Truppen bis auf einen Rest von 2.500 Mann abziehen konnte. Diese sollten am 30. April das Land verlassen. Das Einvernehmen der Taliban mit Trump kam zustande, weil die Taliban Wohlverhalten versprachen, sobald alle fremden Truppen das Land verlassen hätten. Dann kam Biden. Er hat dieses hoffnungsfrohe Verfahren sofort gestoppt und redet sogar darüber, wieder mehr Soldaten dorthin zu entsenden. Trump hat also versucht, in Afghanistan einen Zustand wiederherzustellen, der halbwegs völkerrechtskonform ist. Biden und dem Deep-State passt das natürlich gar nicht.

Wir in Nachkriegsdeutschland sind an die Präsenz von Fremdsoldaten seit drei Generationen gewöhnt. Wie Japaner und Italiener. Wir stoßen uns nicht einmal daran, dass diese fremde Militärmacht Sonderrechte in unserem Land genießt, inklusive exterritorialer Gebiete, zu denen selbst Polizei und Regierungsmitglieder nur Zugang haben, wenn die Besatzer das genehmigen. Dieser Zustand ist weder normal, nach Völkerrecht, noch dürfte er sich verewigen – auch nach Völkerrecht und Haager Abkommen. Aber wir Deutsche sind zu einer selbstverleugnenden Nation geworden, die nicht mehr in der Lage ist, irgendwelches Unrecht gegen Deutschland auch nur anzusprechen. Das ist bei traditionell stolzen Afghanen anders. Und das, obwohl Afghanistan seit 200 Jahren immer wieder angegriffen wurde, als Kolonie existieren musste und nur kurze Zeiten der Befreiung kennt. Oder vielleicht sind sie deswegen besonders sensibel?

Die Briten haben den Opiumanbau in Afghanistan eingeführt

Manche meiner Stammleser mögen jetzt sagen, bitte nicht schon wieder, aber es muss sein. Natürlich war es das British Empire, das die Ursachen für den jetzigen Zustand Afghanistans gesetzt hat. Die Briten haben Afghanistan während des 19. Jahrhunderts mehrfach angegriffen, besetzt, kolonisiert und ausgebeutet. Wie in so vielen Teilen der Welt haben sie gewachsene, funktionsfähige Strukturen zerschlagen, vernichtet, um dann die Länder auf Dauer im Zustand der Agonie dahinvegetieren zu lassen. Natürlich nicht, ohne vorher neue Strukturen zu schaffen, die ausschließlich ihren Interessen dienen. Ich erinnere hier an den Sudan, den gesamten Mittleren und Nahen Osten und natürlich Persien, als sie 1952 die demokratisch gewählte Regierung Mossadeq von der CIA stürzen ließen. In Afghanistan ging es neben schierer Machtgeilheit um Opium, mit dem sie ihre Importe aus China „bezahlten“ und massenweise Chinesen durch Rauschgiftsucht ins Elend trieben. Ja, es gibt keinen aktuellen Konflikt oder Krieg, der nicht ursprünglich auf die Schandtaten der Briten zurückzuführen ist, wenn man nur genau genug hinsieht.

Die Briten haben den Opiumanbau in Afghanistan eingeführt und betrieben. Das hat sich dann verselbstständigt bis die Taliban das unterbunden haben. Das war, nachdem die USA – und natürlich an ihrer Seite England – die Taliban gefördert, geradezu erfunden hatten, inklusive Osama Bin Laden auf ihrer Seite. Sie haben den Taliban Waffen und Ausbildung geliefert, um der kommunistischen Regierung in Kabul und den Sowjets im Land das Leben schwer zu machen. Der Punkt ist aber auch hier, dass die Sowjets auf Einladung, ja Anforderung im Land waren. Die dann folgenden USA nicht. Ist es da falsch, sich an Syrien oder den Irak erinnert zu fühlen? Seit die US-Truppen in Afghanistan sind, ist die Opiumproduktion im Land auf Werte angestiegen, höher als vor 1980. Die CIA war immer in den Opiumhandel verwickelt, wenn nicht federführend, wie vormals die Briten.

Warum hat man das Land nicht einfach in Ruhe gelassen?

Während der 1950-er und 1960-er Jahre konnte sich Afghanistan einigermaßen autark entwickeln. Das wohl deswegen, weil Briten und Amerikaner mit anderen Kriegen so eingespannt waren, dass sie einfach keine Kapazitäten für das eher unwichtige Afghanistan übrig hatten. Während dieser Jahre entwickelte sich Afghanistan zu einer eigenständigen Kultur der Neuzeit, mit breiten Bildungsoffensiven und Frauenrechten, bis hin zu aktivem und passivem Frauenwahlrecht. Das Straßenbild in Kabul war dem westlicher Städte durchaus ähnlich, inklusive zumeist unverschleierter Frauen in westlicher Kleidung. Auf dem Land sind Gesichtsverhüllungen sowieso unüblich gewesen, obwohl das Land durchgängig muslimisch war und ist. Warum konnte das Land nicht einfach in Ruhe gelassen werden? Vielleicht weil der Opiumanbau ins Stocken geraten war? Oder ging es darum, eine Ausweitung des sowjetischen Einflusses mit allen Mitteln zu verhindern? Wahrscheinlich geht es um beides, und zwar bis heute.

Die Bundeswehr ist jetzt bald seit 20 Jahren in Afghanistan. Zur Zeit stellt sie mit 1.100 Soldaten das zweitgrößte ausländische Kontingent, nach den 2.500 US-Soldaten, die Trump noch nicht abgezogen hatte und Biden jetzt nicht mehr abziehen will. Die Abstimmung im Bundestag über die Verlängerung des Mandats offenbart Interessantes. Ausgerechnet die Linke und die AfD haben gemeinsam dagegen gestimmt. Die Argumente der Regierungsparteien für die Verlängerung, sind genauso bescheuert wie das Urargument des Herrn Struck, Deutschland werde am Hindukusch verteidigt. Der CDU-Fraktionsvize Johann Wadephul mahnte: “Nur weil Militär in Afghanistan ist, wollen die Taliban überhaupt verhandeln”. Sind die Truppen erst weg, verschwindet auch jegliche Gesprächsbereitschaft der Extremisten.

Noch weitere 20 Jahre Besatzung? – Und dann?

So lautet auch das Hauptargument der Bundesregierung für eine Mandatsverlängerung: Die beste Chance seit langem, durch Gespräche der afghanischen Regierung mit den Extremisten zu einer Friedenslösung zu gelangen, dürfe jetzt nicht verspielt werden. Und natürlich dürfe man den guten Biden nicht vor den Kopf stoßen. Aha! Seit 20 Jahren stöpselt man mit denselben Unzulänglichkeiten herum, ohne Erfolg, und jetzt, gerade jetzt, hat man die beste Chance, mit denselben Methoden eine Friedenslösung zu finden. Da erinnere ich mich doch an Einstein. Es grenzt an Irrsinn, wenn man immer wieder dasselbe tut und dann ein anderes Ergebnis erwartet. Fühlt sich da einer an die Corona-Politik erinnert? Pardon, passt hier eigentlich nicht, zeigt aber den Geisteszustand unserer Regenten generell.

Vernunft zeigen hingegen Linke und AfD, die den gesamten Einsatz richtigerweise als gescheitert einordnen. Beide fordern den sofortigen Abzug der Bundeswehr: “Starten Sie den Ausstieg aus diesem Endloskrieg”, rief der AfD-Verteidigungsexperte Rüdiger Lucassen den Regierungsparteien zu. Und der Linken-Politiker Tobias Pflüger erinnerte daran, dass US-Präsident Trump ja eine Abmachung mit den Extremisten getroffen hatte, die einen Abzug der internationalen Truppen zum 30. April vorsieht: “Wenn die Nato das Abkommen mit den Taliban brechen sollte und länger im Land verweilt, gefährdet sie die westlichen Truppen und verharrt in einem Krieg, den sie nicht gewinnen kann.” Da hat das Maas-Männchen eine andere Meinung. Es twittert: “Wir wollen im Bündnis unser militärisches Engagement gemeinsam beenden”. Aber um das verantwortungsvoll zu tun, brauche man mehr Zeit. Wie viel genau, ist offen. Aha! Nochmal 20 Jahre vielleicht? Und dann?

Der Wertewesten müsste Reparationen in Milliardenhöhe leisten

Der CDU-Fraktionsvize Johann Wadephul versuchte, gespaltene Grüne auf Kurs zu bringen, mit völlig verblödeter Genderlogik: Wer abziehe, überlasse die Frauen in Afghanistan den Taliban. Was in dem Satz mündete: “Genderpolitik gibt’s nicht nur hier, wenn’s ums Sternchen geht, Genderpolitik ist auch in Afghanistan.” Geholfen hat´s nicht wirklich, aber da offenbart sich wieder die alte Kolonialmentalität. Man hätte die Pflicht, alle dummen Eingeborenen mit Gewalt auf westlichen Demokratie- und jetzt Genderkurs zu zwingen. Das Verteidigungsministerium selbst erkennt durchaus die Folgen, wenn man sich nicht an das Trump-Taliban-Abkommen hält. Die Gefährdung deutscher Truppen wird ansteigen. Aber nein, gehen wollen wir deswegen nicht. Im Gegenteil spricht man davon, Verstärkung zu entsenden.

Seit nunmehr 20 Jahren ist die Bundeswehr im Krieg in Afghanistan, das Land selbst seit 40 Jahren. Das nur Wahnsinn zu nennen, wäre untertrieben. Ja, es geht um Macht und Opium auf Kosten einer geschundenen Bevölkerung und unendlichen Zerstörungen an Infrastruktur und Psyche. Hätte der Wertewesten auch nur einen Bruchteil seiner angeblichen Werte als Maxime, müsste er schon lange ganz anders handeln. Er müsste die Hunderten von Milliarden, die er zur Rettung der Banken aus dem Hut gezaubert hat, als Reparationen an Afghanistan geben. Dem Land bedingungslos alles liefern, kostenlos, was es zum Aufbau benötigt. Gibt es keine Not im Land, haben die Taliban keine Grundlage mehr für ihre fundamentalistischen Ideen. Das gilt im Übrigen für alle „Dritte Welt Länder“, inklusive der arabischen Welt. Mehr Wohlstand, zuverlässige Altersversorgung, weniger Kinder, weniger Extremismus, heißt die einfache Regel. Und nein, Soldaten helfen da gar nicht, wie nicht nur die letzten 20 Jahre bewiesen haben. Wenn etwas helfen kann, dann nur das, was die Afghanen selbst an Unterstützung anfordern. Soldaten sind das nicht, wie Trump offensichtlich erkannt hatte. Der Afghanistan-Einsatz muss sofort beendet werden, ohne Rücksicht auf den Heilsbringer Biden.

Nach all der Schelte will ich zum Schluss doch noch eine Lanze brechen, für unsere deutschen Soldaten in Afghanistan. Sie sind nämlich dort, wo sie verantwortlich sind, respektiert und teils auch gern gesehen. Sie haben sehr wohl Positives für das Land geleistet. Dass sie gern gesehen werden, hängt wohl auch mit der kurzen Kolonialgeschichte des Deutschen Reichs zusammen. Anders als es uns in Deutschland gelehrt wird, haben die von England und Frankreich geschundenen Kolonien und viele andere nicht vergessen, dass die Deutschen, wo immer sie waren, den Ländern einen Mehrwert gebracht haben. Eben auch Afghanistan. Dass das nicht zum Frieden und Wohlstand für das ganze Land dort geführt hat, liegt auch daran, dass sie nur in einem kleinen Teil aktiv sind und den USA untergeordnet.

Wer mehr über die positiven Leistungen der Bundeswehr und auch ziviler deutscher Organisationen in Afghanistan erfahren will, dem kann ich nur das kleine Büchlein von Dr. Joachim Spross empfehlen: „Verteidigung am Hindukusch“. Er erzählt da in mehreren Episoden vom Aufbau einer modernen Rechtsordnung neben diversen skurrilen Erlebnissen im Umfeld der gesamten Operation. Dr. Spross war mehrmals dort und weiß unterhaltsam zu berichten, was er selbst dort erlebt hat, ja manchmal erleben musste. Wer dieses authentische Werk nicht gelesen hat, wird kaum verstehen können, wie schwierig eine solche Mission ist und warum es so, wie in den letzten 20 Jahren geschehen, nicht geht. „Verteidigung am Hindukusch“ ist zu bestellen im AnderweltVerlag hier oder in Ihrem Buchhandel.

 

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Dieser Beitrag wurde zuerst am 28.

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Danke an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung des Beitrags.

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Bildquelle:  Jono Photography / shutterstock

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